Etwa 40 Berater des Bankhauses August Lenz müssen sich in den kommenden Monaten eine neue berufliche Heimat suchen. Denn das Institut aus München, eine Tochtergesellschaft des italienischen Mediolanum-Konzerns, gibt zum Jahresende sein Privatkundengeschäft auf, um sich auf den Geschäftsbereich "Payment Services" zu konzentrieren (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Die Berater, die selbstständig unter dem Haftungsdach des Bankhauses für das Institut arbeiten, betreuen rund 5.000 Kunden – oft aus dem gehobenen Segment. Das macht die Private Banker selbst zur umworbenen Spezies. Nach Informationen von FONDS professionell ONLINE bemühen sich aktuell mehrere Haftungsdächer, die sich auf Dienstleistungen für selbstständige Banker spezialisiert haben, zumindest einige Lenz-Berater von sich zu überzeugen.

Wohin die aktuell 38 im Bafin-Register der vertraglich gebundenen Vermittler registrierten Finanzexperten wechseln werden, ist noch nicht ausgemacht. "Das Bankhaus August Lenz kann hierzu keine Auskunft geben, da diese Entscheidung allein von den Beratern getroffen wird", teilt ein Sprecher des Instituts auf Anfrage der Redaktion mit.

Bank-Visitenkarte als Pluspunkt
Gute Chancen darf sich die Deutsche Beratungsgesellschaft für Finanzplanung (DBFP) ausrechnen. Der 2009 gegründete Allfinanzvertrieb aus Stuttgart, der aktuell 65 Berater in deutschlandweit 29 Repräsentanzen beschäftigt, kooperiert im Investmentgeschäft mit der Fürst Fugger Privatbank (FFBP). "Dass wir mit der Fürst Fugger Privatbank als strategischem Partner zusammenarbeiten, ist für uns ein großer Vorteil", berichtet DBFP-Geschäftsführer Ralf Reiniger im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. "Bei der Ansprache vermögender Privatkunden ist es ein echter Pluspunkt, im Namen einer renommierten Bank auftreten zu können." Die meisten anderen Haftungsdächer im freien Vertrieb haben lediglich eine KWG-32-Zulassung – bei ihnen könnten die Lenz-Berater daher nicht mehr mit der Visitenkarte einer Bank punkten.

Reiniger und sein Geschäftsführungskollege Burkhard Stallein bestätigen, dass die DBFP mit mehreren Lenz-Beratern in Kontakt steht. "Die Gespräche laufen unserer Einschätzung nach gut, doch es wäre zu früh, jetzt schon eine Aussage über mögliche Ergebnisse zu treffen – noch ist alles im Fluss", sagt Stallein. Die DBFP ist über die vergangenen Jahre Stallein zufolge konstant, aber nicht allzu rasant gewachsen: Jedes Jahr käme rund ein halbes Dutzend neuer Partner hinzu. Doch das Unternehmen könnte auch eine größere Beraterorganisation anbauen: "Unser Geschäftsmodell ist skalierbar", sagt er. "Sollte es dennoch nötig sein, Kapazitäten im Back-Office aufzubauen, würden wir das tun."

Gut 300 Vermittler unter dem Haftungsdach der Fuggerbank
Eine Anbindung ausschließlich an das FFPB-Haftungsdach würde den Lenz-Beratern nicht reichen: Sie betreuen ihre Kunden auch in Versicherungs- und Finanzierungsfragen, die Fürst Fugger Privatbank hat sich allerdings auf das Investmentgeschäft spezialisiert. Über die FFPB könnten die Berater also nur ihr Fondsgeschäft abwickeln, Versicherungen und Finanzierungen liefen über die DBFP. Der Stuttgarter Vertrieb hat sich einem "Best Select"-Prinzip verschrieben: Die Gesellschaft kooperiert eigenen Angaben zufolge mit rund 70 Versicherern und im Finanzierungsbereich mit 600 Banken und Bausparkassen. Über die Fuggerbank haben die Berater Zugriff auf 500 vom FFPB-Research analysierte Fonds und ETFs von rund 100 Kapitalverwaltungsgesellschaften.

Das FFPB-Haftungsdach hat aktuell gut 300 vertraglich gebundene Vermittler. Obwohl die Fuggerbank eine Tochtergesellschaft der Nürnberger Versicherungsgruppe ist, kämen nur wenige dieser Vermittler aus dem Lager der Ausschließlichkeitsorganisation des Mutterkonzerns, betont Stefan Weiß, Leiter des Geschäftsbereichs Vermögensmanagement. Ehemalige Banker gehörten zur Hauptzielgruppe des FFPB-Haftungsdachs, so Weiß. Einer Analyse von FONDS professionell aus dem Herbst 2019 zufolge gehört die Bank gemessen an der Zahl der gebundenen Vermittler zu den zehn größten Haftungsdächern Deutschlands. (bm)