Deposit Solutions hat binnen weniger Wochen einen neuen Kooperationspartner an Land gezogen – und was für einen! Die Hamburger Sparkasse (Haspa) –  immerhin größtes Institut im deutschen Sparkassenverbund – plant, die Open-Banking-Plattform des Fintechs für Tages- und Festgeldangebote von rund 150 europäischen Banken zu nutzen, die höhere Zinsen als deutsche Institute ausloben. Zum Start der Pilotphase des "Haspa Zinslotsen" genannten Features seien zunächst nur Festgeld-Angebote der Creditplus Bank im Portfolio, der deutschen Tochter von Crédit Agricole Consumer Finance aus Frankreich. Das solle sich nach erfolgreichem Test aber ändern, wie der Branchendienst "IT Finanzmagazin" meldet.

Deposit Solutions​ hat außer mit der Haspa zuletzt auch M.M.Warburg, Merck Finck und die Deutsche Bank als Partner überzeugt. Die führende inländische Geschäftsbank nutzt den Marktplatz für Festgelder beispielsweise schon länger unter dem Namen "Zinsmarkt" und adressiert damit auch Endkunden direkt. Damit biegt ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen in die nächste Runde: Andere Kreditinstitute, aber auch Online-Vermögensverwalter wie Scalable oder Liqid, setzen auf die technischen Lösungen und Angebote des Deposit-Solution-Rivalen Raisin, der hierzulande unter dem Namen "Weltsparen" bekannt ist.

Die Gründe für die plötzliche Welle an neuen Bündnissen zwischen klassischen Banken und Fintechs sind in den Entgelten, die die Europäische Zentralbank (EZB) von Instituten für Einlagen verlangt, zu finden. Weniger einfallsreiche Branchenvertreter versuchen seit längerer Zeit, Kunden per Verwahrentgelt systematisch zu vergraulen oder wenigstens an den EZB-Extragebühren zu beteiligen. Daher wirkt die von Haspa & Co. gewählte Variante, über die Kooperation mit einem Tagesgeld-Vermittler den einen oder anderen "Zinsjäger" zum freiwilligen Umzug zu bewegen, geradezu elegant. (jb)