Das Filialnetz der deutschen Banken und Sparkassen wird immer grobmaschiger. Die Institute schließen in großem Stil eine Filiale nach der anderen, so auch die Hamburger Sparkasse (Haspa). Die nach der Bilanzsumme größte deutsche Sparkasse wird bis Ende 2024 die Zahl ihrer Außenstellen von 130 auf 100 reduzieren. Das sagt Harald Vogelsang, Vorstandssprecher der Haspa, in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt (HA)" – neben anderen Punkten.

Für diese verbleibenden 100 Filialen gibt Vogelsang aber eine Bestandsgarantie von mehreren Jahren ab: "Wir investieren 30 Millionen Euro in die Umgestaltung dieser 100 Filialen auf das neue Konzept des Nachbarschaftstreffs bis Ende 2020. Alle umgestalteten Filialen sollen für mindestens zehn Jahre erhalten bleiben", so Vogelsang gegenüber der Zeitung.

Kunden wollen persönlich zu Aktien beraten werden
Aber nicht nur das Filialnetz war Thema in dem Gespräch. Der Sparkassenchef kann weiter berichten, dass sich die Nachfrage nach Aktien und Fonds bei den Kunden seines Instituts in den vergangenen Jahren positiv entwickelt hatte. "Generell gab es in Deutschland im vorigen Jahr so viele Aktienbesitzer wie zuletzt 2007", so sein Fazit – gefolgt von der Einschränkung, dass es die Aktienkultur hierzulande im internationalen Vergleich weiter viel zu schwach ausgeprägt sei.

Dass seine Sparkasse hieran eine zumindest kleine Mitschuld trägt, da sie im Vergleich zu Direktbanken höhere Gebühren verlangt, weist er zurück: "Wenn man, wie wir empfehlen, über einen langen Zeitraum gleichmäßige Beträge investiert, haben diese Nebenkosten auf das Anlageergebnis fast keine Auswirkungen. Im Branchenvergleich zählen wir bei den Konditionen für kleine Depotumfänge außerdem zu den günstigsten", so Vogelsang. In dem Zusammenhang verweist er auch auf das Filialnetz, das natürlich Geld kostet: "Nach unserer Erfahrung möchten die meisten Menschen nicht ohne vorherige Beratung erstmals am Aktienmarkt tätig werden."

Keine Negativzinsen für alle Kunden
Auch die Entwicklungen bei den Niedrig- beziehungsweise Negativzinsen sind für Vogelsang ein Thema. Die Haspa verlangt von Kunden mit Kontoeinlagen von mehr als 500.000 Euro bereits durch die Bank ein Verwahrentgelt. Vogelsang kann sich nach eigenen Angaben aber "überhaupt nicht vorstellen, für alle Kunden Negativzinsen einzuführen." Allerdings kündigte der Haspa-Chef an, die Verzinsung auf das "Mäusekonto" für Kinder zu senken: Von derzeit drei auf zwei Prozent – "was im Marktvergleich immer noch eine sehr hohe Verzinsung wäre", so Vogelsang gegenüber dem Hamburger Abendblatt. (jb)