Die Hedgefonds-Managerin Fahmi Quadir hat früher als viele andere Finanzprofis auf fallende Kurse beim Skandalunternehmen Wirecard gesetzt. Sie habe zusammen mit ihrer Analystin Christina Clementi schon bei einigen Firmen aus unterschiedlichen Branchen betrügerische Strukturen entdeckt, erzählt die knapp 30-jährige Gründerin des New Yorker Hedgefonds Safkhet Capital in der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ). Das hat offenbar ihr Gespür für faule Äpfel geschult: "Wir können manchmal schon riechen, wenn etwas nicht stimmt – so wie bei Wirecard", sagt Quadir.

Manchmal verhielten sich Manager fragwürdiger Unternehmen schlicht seltsam, erklärt die Hedgefonds-Managerin. Manchmal fliege ein Betrug im Zuge einer Übernahme auf. Wirecard hat bis zum Jahr 2017 mit Verve neue Geschäftseinheiten erworben. "Die Wirecard-Geschichte ging nur so lange gut, weil sich die deutschen Regulatoren absichtlich blind stellten", ist Quadir überzeugt. "Sie scheinen überhaupt nicht an der Regulierung des Unternehmens interessiert gewesen zu sein."

Mittäter sind noch aktiv
Quadir selbst wurde hellhörig, als Wirecard das nordamerikanische Prepaid-Card-Geschäft der Citigroup übernahm und seine Amerika-Filiale in der Folge unter die US-Gerichtsbarkeit fiel. Quadir wettet laut eigenem Bekunden erst dann in größerem Stil gegen ein mutmaßlich betrügerisches Unternehmen, wenn es strafrechtlich verfolgt wird, berichtet sie in der NZZ. Das war bei Wirecard schließlich der Fall: "Im März sind in den USA mehrere Geschäftspartner von Wirecard festgenommen worden, und außer uns hat das niemand realisiert", so die Hedgefonds-Expertin. "Interessanterweise trat für einen der Verhafteten ein bestimmter Wirecard-Manager als Bürge ein, der in kritischen Zeitungsberichten immer wieder erwähnt worden war. Wir wussten also, dass die Dinge eskalieren."

Auch heute noch hält Quadir an einer kleinen Wirecard-Position fest. "Es gibt in diesem Fall noch viel zu tun, und wer weiß: Vielleicht kommt dabei noch etwas heraus", erklärt sie. Schließlich seien, so ist sie überzeugt, über Jahre hinweg Milliarden schmutziger Dollars bei Transaktionen via Wirecard gewaschen worden. Mitten in der Covid-19-Pandemie wurde der einstige Dax-Star dann unvermittelt aus dem Verkehr gezogen.

Der Bedarf nach "Geldwaschmaschinen" sei aber geblieben, Kriminelle suchten nach neuen Wegen. "In so einer Konstellation passieren oft Fehler, und das ist in unseren Augen eine Chance, dem Fluss des Geldes zu folgen", so die Finanzspezialistin. "Glaubt man der 'Financial Times', spielten Drittparteien im Fall Wirecard eine wesentliche Rolle, und diese sind immer noch im Markt." (fp)