Helaba-KI-Chef: "Angst vor Jobverlust ist unbegründet"
Philipp Schwaab, KI-Chef bei der Helaba, sieht künstliche Intelligenz nicht als Jobkiller, sondern als Antwort auf den demografischen Wandel. Die Landesbank investiert Millionen, baut eigene KI-Teams auf – und setzt im Alltag auf eine interne Assistenz.
Befürchtungen, dass der Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) zu Arbeitsplatzverlusten führen könnte, sind nach Einschätzung von Philipp Schwaab unbegründet. Der Chief AI Officer der Helaba-Gruppe erklärte in einem Interview mit "Bloomberg News", die Technologie müsse vielmehr als Chance gesehen werden – auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. Allein in diesem Jahr will die Helaba einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in KI investieren.
"Angst vor Jobverlust wegen des zunehmenden KI-Einsatzes gibt es sicherlich bei dem einen oder anderen, aber sie ist unbegründet", sagte Schwaab. "KI ist für uns kein Job-Abbau-Case. Rationalisierungen infolge des KI-Einsatzes sind bei der Helaba nicht geplant."
Demografischer Wandel als Treiber
Im Sommer hatte der Deutsche Bankangestellten-Verband (DBV) davor gewarnt, dass der zunehmende Einsatz von KI bei Banken einen Teil der Beschäftigten überflüssig machen werde. Gleichzeitig steht jedoch fest, dass Kreditinstitute in einigen Bereichen händeringend nach Personal suchen, da innerhalb von zehn Jahren teils jeder dritte Mitarbeiter in den Ruhestand gehen dürfte.
"KI hilft uns, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken", sagte Schwaab. Mit dem Renteneintritt vieler Babyboomer dürften künftig nicht mehr genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen. KI-Technologie könne dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Zugleich hält er es für denkbar, dass sich die konkreten "Aufgaben der oder des Einzelnen ändern. Das war aber schon immer so in transformativen Phasen und ist daher nichts Neues", erklärte Schwaab.
KI in allen Bereichen der Bank
Die Helaba setzt Schwaab zufolge inzwischen in allen Bereichen der Bank KI ein. Ziel sei es, Effizienzsteigerungen zu erzielen. Bei allen neuen Projekten bestehe der Anspruch, KI von Anfang an mitzudenken.
"Wir investieren weiter in KI. In 2025 lagen die Ausgaben bei knapp zehn Millionen Euro – und in 2026 dürften sich die Ausgaben auf einen niedrig-zweistelligen Millionen-Euro-Betrag belaufen", sagte Schwaab, der seit etwas mehr als einem Jahr die neu geschaffene Rolle des Chief AI Officers bei der Landesbank innehat.
Zwei KI-Teams und weitere Einstellungen
Schwaab leitet zwei Teams, die sich mit KI befassen. Eines beschäftigt sich unter anderem mit strategischen Fragen sowie der Suche nach Partnern, mit denen die Bank ihr KI-Ökosystem ausbauen kann. Das zweite Team ist für die konkrete Entwicklung und Umsetzung von KI-Anwendungsfällen innerhalb der Helaba zuständig.
"Für beide Teams haben wir sowohl auf eigenes Personal gesetzt, aber auch gezielt neue Leute an Bord geholt, darunter KI-Developer und Data Scientists", erklärte Schwaab. Weitere Stellen im KI-Bereich seien vorgesehen.
Interne KI-Assistenz "Helena" im Einsatz
Kürzlich hat die Helaba mit "Helena" eine bankeigene KI-Assistenz entwickelt, die seit Oktober schrittweise für alle Mitarbeiter freigeschaltet wurde. "Helena" soll den Arbeitsalltag erleichtern, indem sie unter anderem stark repetitive Aufgaben übernimmt.
"Helena kann beispielsweise umfangreiche Nachhaltigkeitsberichte, die etwa im Immobilienbereich oder bei Kreditanfragen eine Rolle spielen, schnell auslesen und automatisiert für uns relevante Informationen heraussuchen. Das spart Zeit", berichtete Schwaab.
Zwischen Anfang Oktober und Anfang Dezember nutzten rund 2.500 der insgesamt etwa 3.500 Mitarbeiter im Helaba-Einzelinstitut "Helena" mindestens einmal. In diesem Zeitraum wurden insgesamt mehr als 80.000 Prompts – also Anweisungen an die KI – eingegeben.
Datenschutz und Schulungen
"Helena" basiert auf ChatGPT von OpenAI, sagte Schwaab. Er betonte: "Helena kommuniziert nicht mit OpenAI. Das heißt, es fließen keine bankinternen Daten an OpenAI ab, um das Sprachmodell zu trainieren."
Neben "Helena", die allen Mitarbeitern zur Verfügung steht, entwickelt die Helaba auch spezielle KI-Lösungen für einzelne Fachbereiche. Für die Mitarbeiter der Helaba wird neben einer verpflichtenden Schulung auch eine Reihe von vertiefenden KI-Schulungen angeboten, etwa zum Erstellen von Prompts. Zudem gibt es konzernweit etwa 70 sogenannte AI-Champions.
"Das sind Mitarbeiter, die sich besonders gut im Umgang mit künstlicher Intelligenz auskennen, sich stetig weiterbilden und ihr Wissen teilen. Als Multiplikatoren bringen sie ihren Kolleginnen und Kollegen das Thema näher und beantworten auch mal konkrete Fragen", erklärte Schwaab. (mb/Bloomberg)















