Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) verzeichnet nach den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 einen Vorsteuerverlust von 274 Millionen Euro, verglichen mit einem Gewinn von 325 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf eine Mitteilung der Helaba. Verantwortlich dafür seien Bewertungseffekte und die Risikovorsorge wegen der Coronakrise. Auch für das Gesamtjahr stimmte die Bank auf einen möglichen Verlust ein.

"Die Verwerfungen an den Kapitalmärkten im Zuge der Corona-Pandemie haben auf unsere Bilanz durchgeschlagen", sagte Thomas Groß, der seit Juni 2020 die Helaba leitet. Er verwies darauf, dass Bewertungskorrekturen von rund 300 Millionen Euro nur temporärer Natur seien. "Sie werden sich über die Laufzeit wieder weitgehend ausgleichen, sodass wir hier unter dem Strich keine nennenswerten Verluste zu erwarten haben", erklärte Groß. Die Risikovorsorge zur Deckung möglicher Ausfälle bezifferte das Unternehmen für den Berichtszeitraum auf 151 Millionen Euro. In den ersten sechs Monaten 2019 hatte der Wert bei 34 Millionen Euro gelegen. Zins- und Provisionsüberschuss legten zu.

Strukturen verschlanken
Unter dem Vorgänger von Groß, Herbert Hans Grüntker, hatte die Helaba bereits angekündigt, bis 2023 rund 380 bis 400 Stellen streichen zu wollen. Darüber hinaus sollen die Strukturen verschlankt werden. In einem Interview mit der Mitarbeiterzeitung warnte Groß unlängst, der Trend bei den Kosten gehe "in die falsche Richtung".

Das sogenannte Transformationsprogramm Scope laufe planmäßig, erklärte die Helaba am Donnerstag (13. August). Der Verwaltungsaufwand war mit 778 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum unverändert. Die Entscheidung zu einer engeren Zusammenarbeit bis hin zu einer Fusion zwischen der Helaba und der Dekabank dürfte indes wegen der Coronakrise wohl noch länger auf sich warten lassen. Anfang des Jahres waren die Verhandlungen ausgesetzt worden, damit sich die Beteiligten auf die Bewältigung der Pandemie konzentrieren können. Der Sparkassenverband Baden-Württemberg, der 16 Prozent an der Dekabank hält, sieht nun eine Verzögerung bis 2022.

Bewertungseffekte könnten Jahresergebnis belasten
Verbandspräsident Peter Schneider rechnet nach eigenen Worten damit, dass sich die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise erst in den nächsten beiden Jahren richtig zeigen werden, insbesondere auch mit Blick auf mögliche Kreditausfälle. Bevor es hier keine Klarheit gebe, werde das Thema Helaba/Deka nicht "aufgerufen", sagte Schneider Ende Juli. Die Helaba geht zwar davon aus, dass das zweite Halbjahr 2020 besser laufen wird als das erste, doch die Bewertungseffekte dürften das Jahresergebnis "erheblich" belasten. Aus heutiger Sicht könne daher ein Verlust nicht ausgeschlossen werden. (mb)