Es ist soweit: Die EU-Kommission hat als letzte Instanz am Montag dem Verkauf der HSH Nordbank zugestimmt. Damit kann der Deal zwischen den bisherigen Eignern, den Bundesländern Hamburg und Schleswig-Holstein, und einem Investorenkonsortium um die US-Finanzinvestoren Cerberus und J. Christopher Flowers endgültig abgeschlossen werden. Die Unterzeichnung des Kaufvertrags soll am heutigen Mittwoch stattfinden. Dies berichten diverse Medien, darunter das "Hamburger Abendblatt" und die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Das Investmenthaus Cerberus mit Sitz in New York und der US-Investor J. Christopher Flowers übernehmen die Mehrheit an der ehemaligen Landesbank. Zusammen sollen die Finanzinvestoren künftig zu etwa 80 Prozent an der Bank beteiligt sein. Die Führung des Investorenkonsortiums wird der SZ zufolge Cerberus übernehmen.

Die neuen Eigner wollen die ehemalige HSH unter dem Namen "Hamburg Commercial Bank" weiterführen. Von den 1.600 Stellen würden über kurz oder lang höchstens 1.000 übrig bleiben, Vorstand und Aufsichtsrat werden ebenfalls neu besetzt, schreibt die SZ.

Auf Shopping-Tour
Gut ein Jahr, nachdem Cerberus-Gründer Stephen Feinberg seine Shopping-Tour auf dem deutschen Bankenmarkt gestartet hat, stehe nun fest, dass hier ohne das US-Private-Equity-Haus "gar nichts mehr geht", so die SZ. Denn in den vergangenen Monaten hat der Finanzinvestor Anteile an zahlreichen Instituten erworben, auch bei deutschen Nachbarn.

Zunächst kauften sich die Amerikaner mit gut fünf Prozent in die Commerzbank ein, dann übernahmen sie drei Prozent an der Deutschen Bank. Über seine Beteiligung an der österreichischen Bawag hält Cerberus außerdem weitere Anteile an der Stuttgarter Südwestbank und an der Deutschen Ring Bausparkasse. Insgesamt 1,5 Milliarden Euro habe die Einkaufstour im kriselnden Bankensektor das Investmenthaus, das nach dem gleichnamigen Höllenhund aus der griechischen Mythologie benannt ist, gekostet.

Erste Privatisierung einer deutschen Landesbank
Mit dem HSH-Deal erhält Cerberus den Zuschlag für die erste Privatisierung einer Landesbank in Deutschland. Der Verkauf war durch eine Auflage der EU-Kommission notwendig geworden, nachdem die Länder die Bank zweimal mit staatlichen Mitteln vor einer Insolvenz bewahrt hatten.

Dass sich der "Höllenhund" auf den deutschsprachigen Bankenmarkt stürzt, sorgt der SZ zufolge für Misstrauen in der Branche. Zumal Feinbergs Lust auf hiesige Geldinstitute offenbar noch nicht gestillt ist. Cerberus wolle weiter zukaufen. 

Möglicherweise könnte der US-Finanzinvestor binnen Kurzem auch in Hannover zuschlagen. Dort läuft am heutigen Mittwoch die Frist ab, in welcher Interessenten für zum Verkauf stehenden Anteile an der Nord LB bieten können – und Cerberus ist im Rennen. Kommt der Höllenhund zum Zug, wäre es nicht ausgeschlossen, dass er mittelfristig aus den Puzzlestücken eine neue Superbank formen könnte. (am)