Der Siegeszug der Heimarbeit könnte sich für Frauen in der Finanzbranche schlussendlich nicht als Karrierekiller, sondern Karrierestütze erweisen. Das ist eines der Ergebnisse einer aktuellen Studie des Netzwerks Women in Banking & Finance, über die die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Demnach könnte der Corona-bedingte Homeoffice-Trend langfristig sogar das altbekannte Geschlechter-Ungleichgewicht in der Finanzbranche abmildern. 

Wie aus der Studie hervorgeht, findet Erwerbsarbeit am heimischen Schreibtisch mittlerweile breite Akzeptanz in der Finanzwelt. Rund 93 Prozent der derzeit in der Branche tätigen Frauen gaben an, dass sie ihr Pensum nun flexibel und ortsungebunden erledigen können. Zuvor konnten dies nur 75 Prozent. Für Frauen ist die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, besonders attraktiv: Der Studie zufolge sind sie häufiger auf eine flexible Gestaltung des Arbeitstages angewiesen. 

"Da Frauen mehr Einschränkungen ausgesetzt sind als Männer, führt ein Mangel an Flexibilität eher dazu, dass Frauen die Finanzbranche irgendwann verlassen", schreibt Grace Lordan, Professorin für Verhaltensforschung an der London School of Economics. Mit der Möglichkeit, von zu Hause aus arbeiten zu können, dürften sich mehr Frauen für einen Verbleib in der Branche entscheiden.

Erwerbstätige Frauen kämpfen weiter mit Hindernissen
Bisher hat sich laut Studie an der Kluft zwischen den Geschlechtern kaum etwas geändert. So streben zwar mehr Frauen als Männer eine Führungsposition in der Finanzwelt an, jedoch glauben zugleich rund 80 Prozent der Frauen, dieses Karriereziel möglicherweise nicht zu erreichen. Bei den Männern zweifeln nur 58 Prozent daran. 

Die Corona-Pandemie hatte für Frauen und andere in der Wirtschaft unterrepräsentierte Gruppen zusätzliche Karriere-Rückschläge zur Folge. Arbeitsplätze, die durch Lockdowns und andere Einschränkungen beeinträchtigt werden, sind vor allem weiblich besetzt. Zudem gaben mehr Frauen als Männer ihre Arbeit auf, um sich um Kinder zu kümmern, weil Schulen geschlossen wurden oder die Kinderbetreuung fehlte. (fp)