Bei der HSBC Deutschland brodelt es intern. Die Verhandlungen zwischen Vorstand und Betriebsrat über einen Sozialplan für den angekündigten Abbau von 600 Vollzeitstellen sind ergebnislos abgebrochen worden. Stattdessen wird nun eine gerichtliche Einigungsstelle eingeschaltet – ein in der Geschichte des Instituts beispielloser Vorgang, wie der Branchendienst "Finanz-Szene.de" unter Verweis auf entsprechende interne Mitteilungen schreibt. Die Bank, eine Tochter der britischen Großbank HSBC, hat die Meldung auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE nicht kommentiert.

"Wir müssen Sie heute darüber informieren (…), dass die Gespräche mit dem Betriebsrat über die Einigung zum Interessensausgleich und Sozialplan (…) gescheitert sind", zitiert "Finanz-Szene.de" aus der Mitteilung des Managements von Ende vergangener Woche. "Die strittigen Punkte des Sozialplans, welche hauptsächlich die Schutzbedürftigkeit der zu kündigenden Mitarbeiter betreffen, bedrohen aus Sicht des Betriebsrats nicht die finanzielle oder wirtschaftliche Lage der Bank", heißt es dem Branchendienst zufolge in einem Schreiben des Betriebsrates zum selben Thema.

HSBC reorganisiert europäische Geschäftsbereiche
Hintergrund des Streits sei, dass HSBC 2020 die Aktienmehrheit bei der deutschen Tochter übernommen hatte und seither durchregieren kann. Das wiederum bereite den Düsseldorfer Bankern Sorgen: Sie fürchten laut "Finanz-Szene.de", dass sie trotz respektabler Größe und einer Bilanzsumme von 29,5 Milliarden Euro von einer eigenständigen Einheit zur simplen Niederlassung degradiert werden. Die Mutter HSBC mit Sitz in London plane nämlich eine Reorganisation ihres Geschäfts in Kontentaleuropa. Dazu gehören Umverteilungen von Jobs: Paris gelte als Favorit für den Sitz einer Europa-Holding. Zugleich werden immer mehr Stellen und Service-Einheiten ins polnische Krakau und an andere günstigere Standorte verlegt.

Daher hat die Bank Ende 2020 auch das Projekt "Germany Transformation" angestoßen. HSBC Deutschland kündigte in dessen Rahmen an, bis 2022 gut 600 Vollzeitstellen streichen zu wollen, ein Minus von 22 Prozent gegenüber der Belegschaftsstärke von Ende 2019. Allerdings sank die Zahl der Mitarbeiter 2020 nur um sechs Prozent:  Der Großteil des Abbaus steht laut Finanz-Szene.de also noch bevor.  (jb)