Die praktische Umsetzung der europäischen Versicherungsrichtlinie IDD in Deutschland verläuft schleppend: Viele Details der Richtlinie werden etwa durch Verordnungen präzisiert, die Berlin aber noch nicht vorgelegt hat. Auch bei der Kooperation der Assekuranz mit Versicherungsberatern, die unter der IDD nun auch vermitteln dürfen, hapert es wie im Vorfeld befürchtet offensichtlich – aus technischen Gründen. Das zeigt das Beispiel des Münchener Vereins Krankenversicherung. 

Der Versicherer hat in Anträgen für eine Private Krankenversicherung ausgeschlossen, dass ein Versicherungsberater, der nur gegen Honorare und nicht gegen Provisionen tätig werden darf, eine solche Police einreichen kann. "Die beantragten Tarife können nur abgeschlossen werden, wenn die Beratung und Vermittlung durch einen Versicherungsvertreter beziehungsweise Versicherungsmakler oder im Wege des Fernabsatzes ohne Mitwirken eines Versicherungsberaters erfolgte. Ich bestätige, dass ich nicht von einem Versicherungsberater (gegen Honorar) beraten wurde. Falls dies nicht zutrifft, bitte ankreuzen", lautet die betreffende Passage. Mit anderen Worten: Die Berater dürfen diesen Tarif nicht vermitteln. 

Technische Umsetzungsprobleme
Auf Nachfrage von FONDS professionell ONLINE begründet der Versicherer den Schritt mit der sehr aufwändigen technischen Umsetzung des Durchleitungsgebotes: Wenn ein Versicherungsberater eine Bruttopolice mit eingebauten Courtagen vermittelt, müssen diese laut Gesetz zu 80 Prozent an den Kunden zurückgegeben werden. Das Produkt, um das es hier geht, ist ein solcher Bruttotarif mit eingebauten Provisionen.

"Die technische Umsetzung des überaus komplexen Durchleitungsgebots ist sehr aufwändig und war vor dem eingangs genannten Hintergrund kurzfristig bis zum Inkrafttreten des deutschen IDD-Umsetzungsgesetzes am 23. Februar 2018 unmöglich umzusetzen", teilt der Versicherer auf Anfrage mit. Weiter begründet er die Passage in dem Antrag damit, dass er auf diese Weise das Durchleitungsgebot für einen Versicherungsvertrag nicht anwenden müsse, solange die hierzu erforderlichen Prozesse technisch noch nicht umgesetzt seien. "Eine manuelle Umsetzung des Durchleitungsgebots ist zwar möglich, wäre aber extrem aufwändig. Vor solchen Aufwänden wollen wir unsere Versichertengemeinschaft schützen."

Positiv gegenüber Honorarberatung
Die technische Umsetzung des Durchleitungsgebots sei mittelfristig aber beabsichtigt. Die Gesellschaft betont, der Honorarberatung und damit auch den Versicherungsberatern grundsätzlich positiv gegenüber zu stehen. "Im Bereich der Lebensversicherung bieten wir als einer von wenigen Versicherern mit unserem Tarif Privatinvest Netto einen sehr konkurrenzfähigen Nettotarif an, der auch stark nachgefragt wird. In der Krankenversicherung ist derzeit die Einführung eines Nettotarifs aus strategischen Gründen nicht beabsichtigt." (jb)