Viele Fondsvermittler mit Erlaubnis nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) stellen ihren Kunden Rechnungen aus und verzichten im Gegenzug auf Provisionen. Das darf als "Honorarberatung light" gelten, nicht aber als "echte" Honoraranlageberatung. Dafür braucht es eine Bafin-Erlaubnis oder – wenn sich die Beratung auf Fonds beschränkt – eine 34h-Gewerbelizenz.

Im Tagesgeschäft reicht die 34f-Erlaubnis in aller Regel aus. Denn das 2014 in Kraft getretene Honoraranlageberatungsgesetz bietet kaum mehr als einen Bezeichnungsschutz, bürdet den Beratern aber zusätzliche Pflichten auf. "Der Mehrwert aus der Differenzierung, den das Gesetz bieten soll, wird in der Praxis nicht erkennbar", sagt Philipp Mertens, Partner der Kanzlei BMS Rechtsanwälte aus Düsseldorf. "Bei überzeugten Honorarberatern gehört es zum guten Ton, sich entsprechend registrieren zu lassen. Dem Verbraucher ist der Begriff aber letztlich egal."

Tochtergesellschaft für die Honoraranlageberatung
Auch Thomas Sättele aus Hirschberg nahe Heidelberg, der schon seit dem Jahr 2007 Honorarmodelle anbietet, arbeitet mit 34f-Erlaubnis. Das Fehlen einer 34h-Lizenz spiele für die Kunden seines Unternehmens Fondsbroker Financial Consulting in der Praxis keine Rolle, hat Sättele beobachtet. "Entscheidend ist das Konzept und die Anlagephilosophie, nicht die Bezeichnung", sagt er.

Dennoch gründeten Sättele und seine Kollegen vor zwei Jahren eine Tochtergesellschaft, die eine "echte" Honorarberatung anbietet: die FB Honoraranlageberatung GmbH. "Die Überlegung war: Es kann nicht sein, dass wir seit Jahren Unabhängigkeit predigen und selbst keine Antwort darauf geben können, die eins zu eins den Maßgaben des Gesetzes entspricht", sagt Sättele. Die Gesellschaft, die personell und organisatorisch vom Mutterkonzern getrennt arbeitet, bietet die Honoraranlageberatung unter dem Haftungsdach von NFS Netfonds Financial Service an.

Stiftungen, Nachlass- und Betreuungsmandate
"Für das normale Privatkundengeschäft bräuchten wir dieses Tochterunternehmen nicht", sagt Sättele. "Aber es gibt eine interessante Nische, in der die unabhängige Honoraranlageberatung als Argument zieht, nämlich wenn es um Stiftungen, Nachlass- und Betreuungsmandate geht." Diese Kunden seien nur dem Vermögensinhaber verpflichtet, betont der 55-Jährige. Das sei auch bei der Auswahl des Betreuers zu berücksichtigen. "Sollen Interessenkonflikte und Provisionszahlungen ausgeschlossen werden, bleibt eigentlich nur die unabhängige Honoraranlageberatung, um Haftungsrisiken zu vermeiden", meint er.

Diese Denkweise setze sich zunehmend auch an Amtsgerichten und bei Rechtspflegern durch, so Sättele. Er denkt laut: "Stellen Sie sich vor, bei Nachlass- und Betreuungsmandaten würde eine Verpflichtung zur Honoraranlageberatung eingeführt. Dann wäre diese Lizenz auf einen Schlag für viele Berater enorm attraktiv!"


Eine ausführliche Analyse zum Stand der Honoraranlageberatung in Deutschland lesen Sie in FONDS professionell 4/2020 ab Seite 290 oder hier im E-Magazin (Anmeldung erforderlich).