Nick Jue ist seit rund viereinhalb Jahren Chef der Direktbank ING. Der Niederländer hat seitdem mit einer Vielzahl an Problemen und Herausforderungen zu kämpfen. Die jüngste ist sicher das bekannte Urteil des Bundesgerichtshofs zu den Banken-AGB: Danach sind frühere Änderungen der Konditionen etwa zu Negativ- oder Strafzinsen, die die ING ab 50.000 Euro verlangt, ohne ausdrückliche Zustimmung des Kunden nicht zulässig.

Das Einholen der Zustimmungen von wirklich jedem Kunden wiederum bedeutet für die Institute und auch die ING viel Arbeit, wie Jue in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) berichtet. "Aber auch in diesem Fall bleibt uns nichts anderes übrig, als sich den Rahmenbedingungen anzupassen. Das heißt: Wir haben begonnen, unsere rund neun Millionen Kunden digital zu kontaktieren und zu bitten, den neuen AGB zuzustimmen", so der Bankchef. Die Kunden haben Zeit, bis spätestens Ende Februar zu antworten.

Keine Kündigungen für Verweigerer
Jue betont in dem Interview weiter, dass sein Institut zumindest derzeit nicht wie andere zu Kündigungen greifen werde, falls Kunden ihr Okay verweigern. "Wir konzentrieren uns nun erst einmal auf die Zustimmung. Ich denke, dass wir unsere Kunden von dieser Änderung überzeugen werden. Auch, weil unser Angebot nach wie vor ein sehr gutes ist", zitiert die Zeitung Jue, der aber Ende September Kündigungen zumindest nicht kategorisch ausgeschlossen hatte.

In dem Gespräch verweist der Banker auch auf die Offerten rund um Aktien, die die Deutschen in der Pandemie wieder entdeckt haben. Die ING biete hier vor allem Sparpläne auf börsengehandelte Indexfonds (ETFs) – und wachse in dem Bereich rasant: "Wir verwalten mittlerweile zwei Millionen Wertpapierdepots und 1,25 Millionen ETF-Sparpläne", so Jue. (jb)