Die ING Deutschland denkt einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) zufolge über die Einführung von Strafzinsen für Privatkunden nach. "Derzeit haben wir keine konkreten Pläne, ein Verwahrentgelt für unsere Bestandskonten einzuführen. Wir beobachten die Marktentwicklung aber sehr genau und sehen, dass immer mehr Banken ein Verwahrentgelt für Neukonten einführen", zitiert die FZ Finanzvorstand Norman Tambach aus einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Dementsprechend bereiten wir uns vor, auf diese Marktentwicklungen zu reagieren."

Offenbar kann auch der jahrelange Preisführer im Zinsgeschäft die Kosten für hohe Einlagen von Kunden nicht mehr länger intern auffangen. Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt bekanntlich einen Strafzins von 0,5 Prozent, wenn Geschäftsbanken bei ihr Geld parken. Das ist für die Kreditinstitute eine Belastung, die sie in Form von sogenannten "Verwahrentgelten" oder "Guthabengebühren" an Kunden weiterreichen. Einige Banken berechnen das Entgelt ab dem ersten Euro, der auf einem Konto liegt, andere es erst oberhalb eines bestimmten Betrages und häufig nur für Neukunden.

Ausbau des Wertpapiergeschäftes
Die Direktbank mit einer niederländischen Mutter versucht laut der Zeitung stattdessen, Kunden von Investitionen in Wertpapiere zu überzeugen. Mit dem Robo-Berater Scalable besteht schon seit 2017 eine erfolgreiche Kooperation. Zudem hat das Institut sein Angebot an Fondssparplänen jüngst ausgeweitet. Diese sollen obendrein ab dem 1. November mit einem Euro im Monat bespart werden können, die meisten Institute verlangen 25 Euro als Mindestsparrate  "Wir wollen unseren Kunden den Einstieg in das Wertpapiersparen so einfach wie möglich machen und schaffen deshalb den Mindestbetrag für alle Wertpapiersparpläne ab", zitiert die FAZ ING-Vorstandschef Nick Jue.

Die ING kehrt damit außerdem von ihrer Strategie ab, hierzulande um jeden Preis zu wachsen. "Das Ziel von zehn Millionen Kunden ist für uns weniger wichtig geworden, auch wenn ich das weiterhin gerne erreichen möchte", sagte Jue. "Es geht uns um eine engere Verbindung mit den Kunden. Wir brauchen profitables Wachstum, darum setzen wir jetzt voll auf Hausbankkunden." Aktuell hat die Onlinebank laut FAZ-Zählung 9,5 Millionen Kunden, die Commerzbank kommt auf elf Millionen, Postbank und Deutsche Bank zusammen auf 19 Millionen. Die ING spielt der Zeitung zufolge also in der Oberliga. Doch nur zwei Millionen Verbraucher nutzen sie auch als Hausbank – machen also mehr, als nur ihr Geld zu parken. Diesen Anteil wollen die Niederländer nun steigern. (jb)