Banken haben in den vergangenen Jahren fast flächendeckend Strafzinsen von Kunden erhoben und so die Kosten (0,5%) weitergegeben, die die Europäische Zentralbank (EZB) von ihnen für das Parken von Geld verlangt. Zudem wurden die Freibeträge, ab denen die euphemistisch "Verwahrentgelt" genannten Extra-Gebühren fällig wurden, immer weiter abgesenkt – einige Institute gingen sogar bis auf 5.000 Euro runter. Nun aber gibt es Anzeichen für eine Trendwende. Die ING  Deutschland hat angekündigt, den Freibetrag für Guthaben auf Giro- und Extra-Konten (Tagesgeld) von derzeit 50.000 auf 500.000 Euro pro Konto heraufzusetzen. Die Oldenburgische Landesbank (OLB) hatte ähnliche Schritte vor knapp drei Wochen getan.

"Mit der Erhöhung des Freibetrags für Guthaben auf dem Giro- und Extra-Konto entfällt das Verwahrentgelt für 99,9 Prozent unserer Kundinnen und Kunden", sagt Nick Jue, Vorstandschef der ING in Deutschland, in einer Pressemitteilung. "Wir haben als eine der letzten Banken ein Verwahrentgelt eingeführt und schaffen es als eine der ersten quasi wieder ab. Unser Versprechen, mit Wegfall der Minuszinsen das Verwahrentgelt zu streichen, lösen wir für fast alle Kunden damit schon vor einer Entscheidung der Europäischen Zentralbank ein." Jue spielt auf die sehr wahrscheinlich anstehende Zinserhöhung im Euro-Raum im Juli an. Der ING-Topmanager hatte schon in der Vergangenheit gesagt, dass sein Haus Strafzinsen nach einer Leitzinswende abschaffen werde.

Weniger Kündigungen durch neue Freibeträge?
Die Änderungen der ING gelten sowohl für Neu- als auch Bestandskunden. Das Geldhaus erhofft sich mit dem Schritt einen Nebeneffekt: Dass Kunden, die den Allgemeinen Geschäftsbedingungen inklusive Verwahrentgelt bisher noch nicht zugestimmt haben, das nun doch machen werden – und die Bank damit weniger Kunden kündigen muss als zuletzt geplant. Hintergrund ist das mittlerweile wohl jedem bekannte Urteil des Bundesgerichtshofs vom April 2021 zu der Zustimmungsfiktion.

Seitdem müssen Banken das explizite Okay von Kunden bei Änderungen der Geschäftsbedingungen einholen. Einige Institute haben das genutzt, um sich nachträglich die Zustimmung zu Strafzinsen einzuholen. Wenn Kunden das trotz mehrmaliger Aufforderung aber nicht machten, drohten sie mit Kündigung – darunter auch die ING Deutschland. (jb)