Der Finanzdienstleister JDC Group wehrt sich gegen den Eindruck, dass der "einfache" Vermittler des konzerneigenen Maklerpools Jung, DMS & Cie. auf der Strecke bleiben könnte, weil das Unternehmen immer mehr Versicherungsbestände aufkauft und so selbst im Endkundengeschäft aktiv wird. "Schon die Personalie Oliver Lang zeigt, dass wir den einzelnen Vermittler selbstverständlich auch künftig ernstnehmen werden und alles daran setzen, eine hohe Servicequalität zu bieten", sagt JDC-Vorstandschef Sebastian Grabmaier im Interview mit FONDS professionell, das in Ausgabe 1/2018 erschienen ist.

Allerdings sei auch klar, dass JDC Berater suche, die ihre Kunden mit technologischer Unterstützung ganzheitlich betreuen, also in allen Fragen rund um Investment, Finanzierung, Bausparen und Versicherung. "Ziel ist ein echter 360-Grad-Blick. Auf Vermittler, die hin und wieder mal ein einzelnes Produkt verkaufen – nach dem Motto: Antrag gegen Geld – legen wir keinen großen Wert", so Grabmaier. "In solchen Geschäftsmodellen sehen wir nicht die Zukunft."

"Wir machen Technologie für Berater, nicht gegen Berater"
JDC investiert viel Geld in Digitalisierungsprojekte – und plant, eine eigene Kryptowährung zu lancieren, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Besteht nicht die Gefahr, die Makler mit solchen Themen zu überfordern? "Wir setzen die Technik nicht um der Technik willen ein, sondern weil sie unseren Maklern bei ihrer täglichen Arbeit helfen soll", betont Lang, seit Februar Vorstand bei Jung, DMS & Cie. Die Blockchain habe das Potenzial, die Kosten des Geschäfts zu senken und die Effizienz zu steigern. "Es gilt, unsere Partner dazu zu befähigen, ihre Kunden ganzheitlich und regulatorisch korrekt betreuen zu können", so Lang. "Wir wissen, woher wir kommen und bauen auf einem tollen Fundament auf. Wir verschließen aber auch nicht die Augen vor der Zukunft – und dort wird Technologie eine noch größere Rolle spielen als heute."

Manche Berater würden befürchten, in einer technologisierten Welt auf der Strecke zu bleiben. "Aber diese Angst ist unbegründet", so Lang. Grabmaier pflichtet dem bei: "Der beste Vertriebsweg ist und bleibt der Mensch. Nur er kann Empathie entwickeln und einen Kaufanreiz auslösen. Das wird der Computer nie können. Darum sagen wir: Wir machen Technologie für Berater, nicht gegen Berater."

"Die eigenen Einnahmen sorgen für Stabilität"
Die Makler wüssten zu schätzen, dass sie in der Technikentwicklung vom Endkundengeschäft der JDC-Gruppe profitierten. "Außerdem sorgen die eigenen Einnahmeströme für Stabilität", betont Grabmaier. "Ich wage zu behaupten, dass der Pool mit den größten Eigenbeständen auch der stabilste ist." Das sei für den Makler ein sehr wichtiger Punkt.

"Wenn ich mit langjährigen JDC-Vermittlern spreche, höre ich oft sogar einen gewissen Stolz heraus", sagt Lang. "Die finden es prima, dass 'ihr' Pool es geschafft hat, mit einem Konzern wie der Lufthansa ins Geschäft zu kommen." Jung, DMS & Cie. übernimmt für mindestens fünf Jahre die technische Abwicklung des Versicherungsgeschäftes von Albatros, dem Belegschaftsmakler der Lufthansa (FONDS professionell ONLINE berichtete).

"Die Maklerpool-Branche ist reif für eine Konsolidierung"
JDC beschäftigt ein Team, das Endkunden betreut – doch das sei nicht als Konkurrenz zu den eigenen Partnern zu verstehen, betont Grabmaier. "Wenn bei einem Kunden Beratungsbedarf auftaucht, ist das sofort ein Lead für einen unserer Makler – und zwar für den, der räumlich am nächsten sitzt. Wir betreiben dieses Geschäft, weil der Aufwand für uns im Vergleich zur Vergütung sehr gering ist. Der Hebel steckt in der Effizienz durch die digitale Datenbearbeitung."

Eine andere Möglichkeit, die Plattform besser auszulasten und so Skaleneffekte zu erzielen, wäre es, einen Mitbewerber zu übernehmen. Auf die Frage, ob ein solcher Schritt für JDC in Frage komme, antwortet Grabmaier: "Dass die Maklerpool-Branche reif für eine Konsolidierung ist, dürfte kein Geheimnis sein. Wir führen Gespräche, aber diese sind noch nicht so weit gediehen, dass wir Konkretes berichten könnten. Schon die Bestandsübernahmen der vergangenen Monate zeigen: Wir stehen als Konsolidierer bereit." (bm)


Das fünfseitige Interview ist in FONDS professionell 1/2018 erschienen. Dort äußern sich Sebastian Grabmaier und Oliver Lang auch zu den Plänen im Investmentgeschäft und dem Vorhaben der JDC Group, eine eigene Kryptowährung zu lancieren. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.