Bankkunden in Deutschland sollten sich darauf einstellen, in diesem Jahr höhere Gebühren für ihr Girokonto zahlen zu müssen. Etwa die Hälfte der Kreditinstitute plant für 2022 Gebührenerhöhungen oder hat ihre Kontoentgelte bereits angehoben. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine Umfrage der Beratungsgesellschaft EY unter 109 Banken und Sparkassen, wobei zu den Preisen für Konten und Karten nur die Anbieter mit Privatkunden geantwortet haben.

Konkret planen 34 Prozent der Institute, die Gebühren für Girokonten zu erhöhen. 15 Prozent haben das dieses Jahr sogar schon getan. Zudem steigen die Preise für Überweisungen sowie für Kreditkarten bei etwa 40 Prozent der Banken. Eine Umfrage der Beratungsfirma Sopra Steria machte kürzlich eine ähnliche Entwicklung aus, so die Wirtschaftszeitung: Laut dieser Erhebung dreht jede zweite Bank an der Gebührenschraube – durch Preiserhöhungen oder Einführung neuer Gebühren.

Ertragsquelle Gebühren
Dabei sind die Preise für Girokonten in den vergangenen Jahren schon ordentlich gestiegen. Zwischen 2015 und 2019 zogen die Gebühren laut Statistischem Bundesamt um insgesamt 25 Prozent an. Zudem gebe es immer weniger Gratiskonten ohne Bedingungen wie einen monatlichen Mindestgeldeingang. Der Grund: Die für die Branche wichtigen Zinserträge sind durch die Minizinsen in der Euro-Zone abgeschmolzen. Zudem werden Geldhäuser stärker reguliert, was Kosten nach sich zieht. "Also denken die Banken weiter intensiv über neue Ertragsquellen nach", zitiert das "Handelsblatt" den EY-Finanzexperten Thomas Griess.

Eine Zeit lang hatten viele Geldhäuser Gebührenerhöhungen wegen des bekannten Urteils des Bundesgerichtshofes (BGH) zu unwirksamen neuen Allgemeinen Geschäftsbedingen (AGB) ausgesetzt. Der BGH hatte entscheiden, dass Änderungen von AGBs immer dann unwirksam sind, wenn sich die Geldhäuser der sogenannten "Zustimmungsfiktion" bedient hatten. Bis dato war es üblich, dass Änderungen dann als gültig betrachtet werden, sofern Kunden diesen Neuerungen nicht innerhalb einer bestimmten Frist explizit widersprechen. Wer also schwieg, gab sein Okay, was aber laut BGH unangemessen ist. Allerdings haben einige Institute dann die nachträgliche AGB-Zustimmung dazu genutzt, um in einem Aufwasch die Zustimmung zu höheren Gebühren einzuholen. Immerhin müssen die Kunden den höheren Gebühren nun aber explizit zustimmen – anders als früher. (jb)