Die Sanierung der Commerzbank geht mit größeren finanziellen Einschnitten her als geplant. Die Bank will bis zum Jahresende 2024 fast ein Viertel von rund 40.000 Vollzeitstellen streichen. Dafür plant sie nun mit zwei Milliarden Euro Kosten, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) – statt wie bisher mit 1,8 Milliarden Euro. Allein im vierten Quartal 2020 verbuchte die Commerzbank für den Stellenabbau Rückstellungen in Höhe von 610 Millionen Euro. Nun muss wohl noch einiges obendrauf kommen. 

Das Kosten-Plus von 225 Millionen Euro gegenüber den Berechnungen von Anfang Februar ist laut FAZ auf den Sozialplan zurückzuführen, den der Vorstand am vergangenen Freitag (7. Mai) mit den Arbeitnehmervertretern für die deutsche Belegschaft vereinbart hat. In der Bundesrepublik sollen 9.000 Stellen wegfallen, das ist fast jeder dritte Arbeitsplatz bei dem Kreditinstitut. Die stärksten personellen Einschnitte wird es dabei in der Privatkundensparte geben. Dort sollen netto 3500 Arbeitsplätze wegfallen, in der Zentrale und den Verwaltungseinheiten sollen es 3.200 Stellen sein, schreibt das "Handelsblatt" (HB). Außerdem werden in der Firmenkundensparte 1.000 Jobs gestrichen. Mithilfe der Sparmaßnahmen soll bis 2024 eine Eigenkapitalrendite von sieben Prozent erreicht werden. Als größte Risiken bei der Restrukturierung gelten unter Branchenkennern die Entwicklung der Erträge und der Umbau der IT.

Schneller in Rente
Um den Stellenabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten, können Mitarbeiter der Commerzbank nun unter anderem sieben statt vier Jahre früher in den Vorruhestand gehen und bekommen während dieser Zeit 70 Prozent ihres Bruttogehalts. Zusätzlich zahlt die Bank Branchenkreisen zufolge eine "Sprinterprämie" von 30.000 Euro, um Arbeitnehmern die vorgezogene Rente schmackhaft zu machen. Darüber hinaus gibt es ein Abfindungsprogramm für alle Mitarbeiter über 56 Jahre, die "freiwillig" ihren Job aufgeben. "Dieses Geld ist gut investiert, denn es erhöht unsere Planungssicherheit bei der Umsetzung des Stellenabbaus", zitiert die Frankfurter Zeitung den neuen Vorstandsvorsitzenden Manfred Knof.

Arbeitnehmervertreter zeigen sich mit dem Ergebnis zufrieden. Eine Transfergesellschaft ist kein Thema mehr, betriebsbedingte Kündigungen dürfte es kaum geben. Die Gewerkschaft Verdi sorgt sich eher um die verbleibenden Mitarbeiter: Es könnten so viele Commerzbank-Leute am Abfindungsprogramm teilnehmen, dass die restliche Belegschaft überlastet werden könnte. Noch ist allerdings nicht klar, wie gut der Sozialplan tatsächlich angenommen wird. Knof, im Januar den Chefposten im Vorstand übernommen hat, will die Commerzbank mit einem straffen Sparprogramm wieder auf Erfolgskurs bringen. (fp)