Der US-Bankenriese JPMorgan Chase & Co. hat im Geschäft mit Super-Reichen ein Land mit hohen Wachstumsraten ausgemacht, in dem nun dank neuer Berater weitere Kunden gewonnen werden sollen. "Gemessen am Wachstum der verwalteten Vermögen ist Deutschland für JPMorgan seit etwa vier Jahren einer der wichtigsten Private-Banking-Märkte in Europa", sagte Håkan Strängh, Chef des deutschen Private Bankings, im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Um wie viel Geld sich sein Team genau kümmert, verriet er nicht.

Laut einer Studie von Credit Suisse Group AG wird die Anzahl der Dollar-Millionäre in Deutschland von knapp 2,18 Millionen im Jahr 2018 auf rund 3,1 Millionen im Jahr 2023 klettern. Die prognostizierte Steigerungsrate von 41 Prozent liegt über denen von Großbritannien (30 Prozent) und der Schweiz (36 Prozent).

Beraterinnen gesucht
Um das Geschäft auszubauen, hat die US-Bank allein 2018 drei Berater und einen Portfolio-Manager für das deutsche Private Banking angestellt, das nun 21 Mitarbeiter umfasst.
Weitere Berater sollen folgen, erklärte Strängh. "Wir suchen besonders Frauen, weil sie gewisse Themen anders angehen." Bisher seien alle Berater männlich.

Im Visier hat Strängh, der vor zehn Jahren von Goldman Sachs zu JPMorgan wechselte, in erster Linie Familien mit einem liquiden Vermögen von mindestens 100 Millionen Euro. Die in einem ersten Schritt angelegten Gelder sollten sich seinen Worten zufolge typischerweise auf 10 Millionen Euro oder mehr belaufen.

Loyale Kunden
Diese an sich guten Aussichten für das Private Banking auch in Wachstum umzusetzen, dürfte allerdings nicht einfach werden. Zuletzt waren viele ausländische Anbieter nach Deutschland gedrängt, darunter BNP Paribas SA, Rothschild & Co. und HSBC Holdings Plc. Das setzt die Margen unter Druck. Strängh: "Das Private Banking in Deutschland ist ein sehr kompetitiver Markt". Hinzu komme, dass Vermögende in Deutschland oft loyale Beziehungen zu einer deutschen und zu einer Schweizer Bank unterhalten würden. "Wir sehen aber eine zunehmende Bereitschaft, eine dritte Säule hinzuzunehmen, und die kommt oft aus dem angelsächsischen Raum", erklärte er.

Bei dem Geld, das JPMorgan zufließe, handele es sich meist um neu geschaffenes liquides Vermögen, etwa Erlöse aus dem Verkauf eines Unternehmens. Bei deutschen Kunden hat Strängh in den vergangenen Jahren eine stärkere Internationalisierung bei den Anlagen festgestellt – "weg von Dax und Bundesanleihen, hin zu USA und Schwellenländern". Dahinter stehe aber meist nicht der Wunsch, das Vermögen aggressiv zu vermehren. "Ihnen geht es eher um einen Vermögenserhalt nach Steuern, Inflation und Gebühren." (bloomberg/eml)