JP Morgan Chase möchte ins britische Privatkundengeschäft einsteigen und hat den Online-Vermögensverwalter Nutmeg für einen nicht genannten Betrag erworben. Der englische "Robo-Berater", mit dem schon seit vergangenem November eine Kooperation bestand, ist als Ergänzung für die hauseigene Digitalbank gedacht, deren Start für dieses Jahr angekündigt ist. Das berichten übereinstimmend internationale und deutsche Medien, darunter das "Handelsblatt". JP Morgan hat den Schritt auch bestätigt. 

Mit dem Kauf des 2012 gegründeten Robos, der mittlerweile für 140.000 Kunden rund 3,5 Milliarden britische Pfund (etwa 4,1 Mrd. Euro) an verwaltetem Vermögen managt und damit Marktführer auf der Insel ist, möchte JP Morgan laut den Berichten dem Mitbewerber Goldman Sachs Paroli bieten. Der Wall-Street-Gigant hatte 2018 auf der Insel die Digitalbank "Marcus" lanciert und einen Robo-Advisor für das erste Quartal 2022 angekündigt. Beide Geldinstitute wollen dem Handelsblatt zufolge das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung in Großbritannien stärker verzahnen. 

Smartphone-Bank "Chase"
Im Detail möchte JP Morgan, das bisher auf dem britischen Privatkundenmarkt nicht präsent ist, in den kommenden Monaten eine neue Smartphone-Bank unter der Marke Chase vorstellen. Das hatte das Institut bereits im Januar verkündet. Die App wird derzeit noch getestet. Sie soll britischen Privatkunden laut der Wirtschaftszeitung eine "neue Art von Girokonto" bieten – mit personalisiertem Rund-um-die-Uhr-Kundenservice. 

Für JP Morgan dürfte es trotz der eigenen Größe und Vertriebspower nicht gerade einfach werden, sich auf dem hart umkämpften britischen Bankenmarkt zu etablieren. Neben den traditionellen Anbietern wie HSBC, Barclays und Lloyds gibt es bereits mehrere erfolgreiche Smartphone-Banken wie Revolut, Monzo und Starling. Auch Goldman Sachs und "Marcus" tun sich schwer: In den drei Jahren seit dem Start hat die Bank 700.000 Kunden anlocken können, während die britischen Anbieter jeweils mehrere Millionen Kunden aufweisen. Auch Nutmeg hat trotz einer ansehnlichen Kundenzahl 2019 einen Vorsteuerverlust von 22 Millionen Pfund (25,7 Mio. Euro) verbuchen müssen. (jb)