Beim britischen Vermögensverwalter Jupiter hat ein neues Management die Ärmel hochgekrempelt. Seit März diesen Jahres ist Andrew Formica Vorstandsvorsitzender. Der neue Wind, den der lebhafte Australier bringt, ist deutlich spürbar, wie sich im Gespräch mit FONDS professionell zeigt, das in voller Länge in der aktuellen Heftausgabe 04/2019 erschienen ist.

Zum Beispiel bekommen die Länderverantwortlichen mehr Autonomie (siehe Klickstrecke oben). Außerdem trifft man in der Branche wohl selten einen CEO, der so unablässig die Leistungen einzelner Fondsmanager namentlich herausstreicht. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass Formica selbst einst im Fondsmanagement tätig war. Die Botschaft ist aber klar: Aktives Management gelingt nur, wenn Investoren Portfoliomanagern vertrauen – gerade wenn es um kontroversielle Meinungen geht.

Für High Conviction braucht es Vertrauen
So ist Formica etwa als neuer Chef mit hohen Abflüssen konfrontiert, die unter anderem 2018 im Dynamic Bond Fund entstanden, den Ariel Bezalel mit einer starken Überzeugung gesteuert hatte. "Er sagte, dass die US-Zinsen sinken und sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, zu einer Zeit, da alle vom Gegenteil ausgingen. Ein halbes Jahr später war seine Ansicht Konsens. Er managt nun wahrscheinlich den Fonds mit der besten Performance der letzten sechs oder zwölf Monate. Die Kunden kommen zurück. Unserer Reputation hat das geholfen. Das ist, was man von High-Convic­tion-Managern erwartet, dass sie eine Meinung haben. Wir sind sehr demütig, wenn Leute zurückkommen", so Formica.

Seine Entscheidung für Jupiter sei sehr bewusst gefallen, sagt der neue Chef. Er habe sich über ein Dutzend globaler Angebote angeschaut. "Manche haben über aktives Management geredet, es aber nicht gelebt. Viele hatten nicht den Fokus auf den Kunden, eine schwierige Eigentümerstruktur oder nicht die richtigen Leute, um gute Ergebnisse zu erzielen. Manche waren nahe am 'Billionen-Dollar-Club', viel größer als Janus Henderson. Ich habe ­Jupiter gewählt", sagt Formica.

Keine Merger – nur Talente und Teams gesucht
In dem Interview spricht er auch über seinen Ruf als "Dealmaker". Diesen hatte er sich bei der Fondsgesellschaft Henderson erworben, deren Chef er bis Mitte 2018 war. Sein gößter Deal war die Fusion mit Janus zum Riesen Janus-Henderson im Jahr 2017. Bei Jupiter spricht sich Formica entschieden gegen größere Übernahmen aus, da die Gesellschaft gerade wegen ihrer schlanken Struktur sehr gut aufgestellt sei. Jupiter konzentriere sich auf wenige Dinge, die man sehr gut beherrsche. "Wir leben in einer Zeit, in der Komplexität Gesellschaften umbringen kann. Wenn gerade Wendigkeit deine Stärke ist, solltest du keine Übernahmen machen, die dich nur verlangsamen", so Formica. Allerdings halte man nach kleineren Teams oder Talenten Ausschau.   

Einer der Schwerpunkte von Formica ist der Ausbau des institutionellen Geschäfts. Es macht derzeit nur zehn Prozent aus. "Ich strebe in den kommenden drei bis fünf Jahren ungefähr 25 Prozent an", sagt der neue Jupiter Chef. Die Struktur sei in den vergangenen Jahren bereits dafür vorbereitet worden.

Zusage an Investoren
Er wolle mit Qualität punkten und nicht der billigste Anbieter am Markt sein. Im Fokus stehen High Conviction und ein klares Commitment zum Kunden. "Wenn jemand mit einem 500-Millionen-Euro-Mandat zu Invesco, Blackrock oder Schroders geht, sagen die, das ist nett, aber nicht so gewichtig", so Formica. Für Jupiter seien solche Mandate hingegen ein großer Gewinn. "Unse­re Zusage an Investoren ist, dass sie etwas ­Besonderes sind. (...) Wir sehen das als echte Partnerschaft. ­Viele große Konkurrenten hatten Probleme, dieses Level der Partnerschaft aufrechtzu­erhalten", so Formica.

Dass der vormalige Österreich-Chef Karl Banyai nach dem Abgang von Andrej Brodnik seit kurzem auch das Büro in Frankfurt leitet, sei eine Anerkennung dessen, was Banyai aufgebaut hat, sagt Formica. Banyais Ziele: "Wir haben sehr hohe Erwartungen. Angesichts der neuen Manager und ­unserer ausgebauten Kapazitäten wäre ich nicht überrascht, wenn wir in fünf Jahren die Assets under Management verdoppelt haben".

In Österreich soll das Whole­sale-Geschäft ausgebaut werden: "Vermögensverwalter, Dachfonds und Pensionskassen sind hier die wichtigsten Kunden, die unsere Publikumsfonds in der institutionellen Anteilsklasse kaufen können". In Deutschland hingegen will Jupiter gezielt auch im klassischen Mandate-Bereich wachsen. "Wir haben gerade ein größeres Mandat gewonnen, das sehr gut läuft, und erwarten uns weitere Kunden", so Banyai. (eml)


Das gesamte Interview können Abonnenten ab Seite 326 in der neuen Heftausgabe 4/2019 von FONDS professionell lesen. Darin erfahren Sie unter anderem den Grund für Andrej Brodniks Weggang und, was Andrew Formica in der Zeit zwischen seinem Ende als Co-Chef von Janus Henderson und seinem Amtsantritt als Jupiter-Vorstandschef gemacht hat. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitgleder können das Gespräch auch hier im E-Magazin nachlesen.