Kampf um Talente: Haspa krempelt Recruiting komplett um
Aktive Mitarbeitersuche statt passiver Stellenanzeigen: Die Haspa baut ihr Recruiting um, setzt auf eigene Spezialisten, Quereinsteiger und Azubi-Apartments. Hintergrund ist der wachsende Fachkräftemangel in der Bankenbranche.
Die Hamburger Sparkasse (Haspa), mit einer Bilanzsumme von 57 Milliarden Euro die größte deutsche Sparkasse, hat ihre Einstellungsprozesse grundlegend verändert. Statt vor allem auf klassische Stellenanzeigen zu setzen, sucht das Institut neue Mitarbeitende zunehmend aktiv über eigene Recruiting-Spezialisten. Laut Dennis Chan, Bereichsleiter People & Culture, zahlt sich dieser Ansatz aus: Der Kandidatenpool habe sich teilweise deutlich vergrößert.
Eigenes Recruiting-Team seit 2023
Für den neuen Ansatz hat die Haspa seit 2023 "ein internes Recruiting mit inzwischen rund zehn Mitarbeitenden aufgebaut. Ziel war es, dass wir uns noch viel aktiver nach passenden Mitarbeitenden umschauen – etwa in den eigenen Netzwerken oder bei Social Media", so Chan. "Die Anzahl der Kandidaten für einzelne Jobs hat sich seit Einführung des internen Recruiting deutlich erhöht."
Vor der Gründung des Teams habe es eine solche aktive Suche nicht gegeben. Stattdessen sei bei freiwerdenden Stellen meist eine Anzeige in Zeitungen und auf Job-Portalen geschaltet worden – anschließend habe man passiv auf Bewerbungen gewartet. Das Recruiting sei dabei bei Personalreferenten angesiedelt gewesen, die nebenbei weitere Aufgaben übernommen hätten.
Fachkräftemangel erhöht Druck auf Banken
Die Suche nach Mitarbeitenden gewinnt für die deutsche Bankenbranche derzeit stark an Bedeutung. Hintergrund sind der demografische Wandel und der zunehmende Fachkräftemangel. In vielen Instituten wird in den kommenden zehn Jahren bis zu ein Drittel der Beschäftigten in den Ruhestand gehen, sodass zahlreiche Positionen neu besetzt werden müssen.
Allein im dritten Quartal 2025 belief sich die Zahl der von Banken und Fintechs in Deutschland öffentlich ausgeschriebenen Stellen auf rund 42.000, wie eine Erhebung des Berliner Personalmarktspezialisten Index-Gruppe zeigt. "Wir konkurrieren nicht mehr nur mit anderen Banken im Recruiting, sondern auch mit anderen Branchen und teilweise anderen Ländern", sagte Chan.
Das neu aufgestellte Team der aktiven Recruiter setzt sich aus internen Mitarbeitenden sowie neu hinzugekommenen Kollegen zusammen. Dieser Aufbau ermöglicht es der Haspa laut Chan, inzwischen weitgehend auf Headhunter zu verzichten. Diese kämen nur noch in Ausnahmefällen zum Einsatz.
Quereinsteiger und Nachwuchs im Fokus
Ebenfalls 2023 startete die Haspa ein Quereinsteiger-Programm. Im Jahr 2024 kamen darüber 70 neue Mitarbeitende ins Institut, im vergangenen Jahr bis zum Sommer waren es rund 50. Häufig hätten diese Kollegen "Erfahrungen im Kundenkontakt und kommen aus Dienstleistungsbranchen wie der Hotellerie oder dem Handel", so Chan.
Ein besonderes Augenmerk legt die Haspa zudem auf die Ausbildung von Nachwuchskräften. Im vergangenen Jahr begannen rund 200 Auszubildende und Dual-Studierende ihre Laufbahn bei der Haspa – zwei Jahre zuvor waren es lediglich 80 gewesen. Hinzu kommen jährlich rund 400 Praktikanten.
Azubi-Apartments gegen hohe Mieten
"Um mehr junge Leute nach Hamburg zu locken und für eine Ausbildung bei der Haspa zu gewinnen, haben wir mitten im Stadtteil Altona ein Gebäude mit Azubi-Apartments gebaut", berichtete Chan. Wohnen sei in Hamburg teuer, zudem komme knapp die Hälfte der Auszubildenden nicht aus der Stadt.
Für eine Kaltmiete von 258 Euro im Monat können die Auszubildenden dort in kleinen Wohngemeinschaften leben. In dem 2024 eröffneten Gebäude gibt es außerdem Gemeinschaftsflächen und eine Dachterrasse.
"Wir wollen unsere Talente an uns binden – allein schon deshalb, weil wir wegen des demografischen Wandels in den nächsten Jahren in vielen Bereichen unfassbar nach Leuten suchen werden", sagte Chan. (mb/Bloomberg)














