Der US-amerikanische Einzelhandelskonzern Walmart will in das Geschäft mit Finanzdienstleistungen einsteigen und könnte für Großbanken damit zum ernsthaften Konkurrenten werden. Schon im Januar hatte Walmart angekündig, ein Fintech zu gründen und dafür mit Ribbit Capital zusammenzuarbeiten – dem Venture-Capital-Unternehmen, das unter anderem hinter der Broker-App Robinhood steckt. Inzwischen sind weitere Einzelheiten dazu bekannt: Walmart konnte für das Projekt Omer Ismail gewinnen, den derzeitigen Privatkundenchef von Goldman Sachs, berichtet die "Neue Züricher Zeitung" (NZZ).

Sollte Walmart tatsächlich eine Vollbanklizenz anstreben, könnte das Unternehmen für klassische Geldhäuser zu einem ernstzunehmenden Rivalen werden. Denn Walmart hat den meisten Banken eines voraus: häufigen Kontakt zu Verbrauchern und ein engmaschiges Netz von allein in den Vereinigten Staaten sage und schreibe rund 4.760 Filialen. In den USA kommt der Einzelhandelsriese laut den Datensammlern von Statista auf 258 Millionen Kundenkontakte pro Woche und über 34 Millionen Facebook-Followern. Marktforschern zufolge besuchen Durchschnittsamerikaner etwa 30-mal pro Jahr irgendeinen Walmart-Superstore – in Bankfilialen dürften sie sich längst nicht so oft blicken lassen. Noch ist allerdings unklar, ob die US-Aufsichtsbehörden Einzelhändlern erlauben wollen, ins Kernbankengeschäft vorzudringen.

Nicht der erste Vorstoß in die Finanzwelt
Das geplante Fintech ist nicht der erste Schritt von Walmart in Richtung Finanzbranche. Schon jetzt bietet das Einzelhandelsunternehmen sogenannte Moneycenter an. Dort können Kunden Geld ins In- und Ausland verschicken, Schecks einlösen und sich in Steuerfragen beraten lassen. Überdies bietet die Supermarktkette in Kooperation mit Banken eine Reihe von Kredit- und Prepaid-Karten an. "Der regulatorische Burggraben, der die traditionellen Geschäftsbanken bisher vom Wettbewerb abgeschirmt hat, wird immer schmaler", zitiert die NZZ einen nicht namentlich genannten Branchenkenner. (fp/ps)