Bewerber einstellen, ohne sie auch nur einmal persönlich getroffen zu haben? Noch vor einigen Monaten war das für Banken unvorstellbar. Dann kam Corona. Seit Beginn der Pandemie haben zahlreiche Finanzinstitute ihre Einstellungsprozesse im Hauruck-Verfahren digitalisiert, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Darunter sind auch Schwergewichte wie die DZ Bank, die Deka Bank und die BayernLB. Viele Job-Kandidaten bekommen ihren Vertrag seitdem nach einem Chat oder einer Videokonferenz zugesandt statt nach einem persönlichen Gespräch – vor allem Berufseinsteiger, vereinzelt aber sogar Vorstände.

Nicht nur Einstellungsgespräche, sogar Assessment-Center für Trainees fanden zuletzt überwiegend übers Internet statt, etwa bei der DZ Bank. Seit die ersten Lockerungen in Kraft getreten sind, gibt es zwar bei vielen Instituten wieder einzelne Präsenztermine, berichtet Bloomberg. Die meisten Banken wollen aber auch nach dem Ende der Pandemie in ihren Einstellungsprozessen stärker als bisher auf Videogespräche und ähnliche digitale Angebote setzen. "Wir werden die Erfahrungen jetzt auswerten und schauen, ob wir das dauerhaft so machen wollen", zitiert Bloomberg Susanne Kober, Personalchefin der BayernLB.

Hin und wieder Händeschütteln
Digitale Bewerbungsprozesse haben für beide Seiten eindeutige Vorteile, ist man bei der DZ Bank überzeugt. Für den Arbeitgeber sinken die Kosten, Bewerber können wiederum mit schnelleren Rückmeldungen und Entscheidungen rechnen. "Wir werden sicherlich auch in Zukunft einen Teil digital gestalten, aber nicht komplett", sagt Uwe Wulf, Sprecher des genossenschaftlichen Zentralinstituts. "Bewerber vorher gar nicht zu sehen, das war der Sondersituation geschuldet." (fp)