Kehrtwende in Berlin? Bund erwägt Commerzbank-Verkauf an Unicredit
Im Ringen um die Commerzbank könnte Bewegung in die Position des Bundes kommen: Hochrangige Regierungsvertreter zeigen sich laut Insidern unter bestimmten Voraussetzungen offen für einen Verkauf der staatlichen Beteiligung an Unicredit.
Hochrangige Regierungsvertreter sind dem Vernehmen nach offen für Gespräche über einen möglichen Verkauf des 12,7-Prozent-Anteils des Bundes an der Commerzbank an die Unicredit. Voraussetzung sei, dass sich die beiden Banken auf eine gemeinsame Strategie einigen können, erfuhr "Bloomberg" von darüber informierten Personen.
Eine offizielle Position der Bundesregierung sei dies allerdings nicht, hieß es. Selbst wenn die Banken einen gemeinsamen Nenner finden, sind deshalb weder Gespräche noch eine Transaktion garantiert. Einige Regierungsvertreter halten einen Verkauf zum richtigen Preis und mit ausreichenden Garantien für die Zukunft der Commerzbank dennoch für ein akzeptables Ergebnis, denn die Unicredit dürfte ohnehin die Kontrolle über die Bank erlangen.
Unterstützung des Commerzbank-Managements als Voraussetzung
Die wichtigste Voraussetzung für Gespräche zwischen Berlin und der Unicredit über einen möglichen Verkauf der Bundesanteile ist die Unterstützung des derzeitigen Commerzbank-Managements für die Pläne des italienischen Rivalen, wie die Insider sagten.
Ein Sprecher der Bundesregierung erklärte, an der bisherigen Haltung habe sich nichts geändert, und lehnte weitere Kommentare ab. Auch ein Vertreter der Commerzbank wollte sich nicht äußern. Eine Sprecherin von Unicredit gab zunächst keine Stellungnahme.
Verkauf wäre deutliche Kehrtwende
Ein Verkauf wäre eine deutliche Kehrtwende der Bundesregierung. Seit der Rettung der Commerzbank während der Finanzkrise ist der Bund ein wichtiger Anteilseigner und hat seinen Widerstand gegen eine Übernahme erst vor Kurzem gelockert.
Mit einem Verkauf des Bundesanteils erhielte Unicredit-Chef Andrea Orcel an der Commerzbank die Mehrheit. Beide Seiten könnten dann vorankommen, statt in einem konfrontativen Verhältnis gefangen zu bleiben, das den erfolgreichen Abschluss der größten europäischen Bankentransaktion seit Jahrzehnten erschweren würde.
Die Zukunft selbst klären
Deutschland hat zwar die Art und Weise abgelehnt, wie die Unicredit ihre Beteiligung aufgebaut hat, sich ansonsten aber weitgehend herausgehalten. Die Bundesregierung argumentiert, die beiden Banken müssten selbst klären, wie es weitergeht. Zugleich ist die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz damit beschäftigt, angesichts einer Reihe von Herausforderungen den Rückhalt in der Bevölkerung zu stärken. Dazu zählen der Ausbau von Militär und Infrastruktur ebenso wie die Reform des deutschen Rentensystems. (mb/Bloomberg)













