Die in finanzielle Not geratene Pensionskasse der Caritas und die mit ihr verbundene Kölner Pensionskasse müssen ihren Versicherten die Leistungen kürzen. Anders seien die Lücken in den Bilanzen der Einrichtungen nicht mehr zu stopfen. Das geht aus gleichlautenden Pressemitteilungen beider Versorgungseinrichtungen hervor. Die nun verkündeten Sanierungsmaßnahmen sind in enger Abstimmung mit der Finanzaufsicht Bafin erarbeitet worden. Ferner dürfen die Kassen weiterhin kein Neugeschäft betreiben.

Die Mitglieder-Versammlungen beider Pensionskassen haben den Einschnitten bereits zugestimmt, um ein nicht gesichertes "Deckungsrückstellungsvolumen" von 122,8 Millionen bei der Caritas und von 48,3 Millionen Euro bei der Kölner Kasse zu stemmen. Wie hoch die daraus resultierenden Kürzungen der Ruhegelder für die einzelnen der insgesamt rund 55.000 Rentenempfänger ausfallen, die ab dem 1. Januar 2020 wirksam werden, hängt vom individuell vereinbarten Tarif und dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ab. Laut Medienberichten könnten die Bezüge schlimmstenfalls um bis zu 25 Prozent reduziert werden.

"Die Zustimmung zum Sanierungskonzept ist ein wichtiger Meilenstein für die Zukunft der Pensionskasse und für die Sicherheit der Versicherungsleistungen", erklärt Olaf Keese, seit dem 1. Dezember 2018 Vorstandsvorsitzender der Pensionskasse der Caritas. "Auf Grundlage einer intensiven Analyse der wirtschaftlichen Situation der Pensionskasse und der Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre haben wir ein tragfähiges Sanierungskonzept erarbeitet und eine solide Grundlage für die Geschäftsentwicklung der kommenden Jahre geschaffen."

Betriebliche Einrichtungen ächzen unter niedrigen Zinsen
Zahlreiche Pensionskassen leiden unter den seit Jahren herrschenden Minizinsen. Die Bafin hat daher immer noch 31 unter verschärfte Beobachtung gestellt – vor einem Jahr waren es sogar noch 45. Die Pensionskasse der Caritas und die Kölner Kasse hat es besonders hart getroffen, auch aufgrund krasser Fehlentscheidungen und falscher Annahmen über die Dauer der Niedrigstzinsphase, die dann wiederum zu viel zu geringen Rückstellungen führten.

Der Jahresabschluss der Caritas-Kasse, die die Mitarbeiter der Deutschen Caritas, der katholischen Kirche sowie Mitglieder der Ordensgemeinschaften versichert, wies für 2017 beispielsweise einen Fehlbetrag von 142,5 Millionen Euro aus, wovon 122,8 Millionen Euro nicht durch Eigenkapital gedeckt waren. Bei der Kölner Kasse betrug der Fehlbetrag 62,5 Millionen Euro.

Fehlberechnungen
"In der Vergangenheit hatte die Pensionskasse der Caritas die lang anhaltende Niedrigzinsphase und die steigenden Lebenserwartungen in ihren Berechnungen zu wenig berücksichtigt. Zudem hatte sie Fehler in der Tarifkalkulation gemacht, die zu hohe Leistungsversprechen zum Ergebnis hatten. Dies führte zu einem Fehlbetrag in der Bilanz 2017", heißt es in der Pressemitteilung, die inhaltlich der Erklärung der Kölner Kasse gleicht.

Aus diesem Grund war der Kasse der Caritas bereits im Mai 2018 von der Bafin untersagt worden, "neue Versicherungsverträge abzuschließen, bestehende Versicherungsverträge zu erhöhen oder weitere Personen in die Pensionskasse als Versorgungsberechtigte aufzunehmen". Im August verbot die Behörde sogar den Geschäftsbetrieb, wogegen die Kasse aber vor dem Frankfurter Verwaltungsgericht klagte. Erst Anfang Dezember wurde der sogenannte "Widerspruchsbescheid" bestandskräftig. (jb)