Es nützt dem Klima nichts, wenn Unternehmen mit großem Kohlenstoff-Fußabdruck aus Fonds ausgeschlossen werden, findet Yannik Zufferey, Renten-Chef beim Vermögensverwalter Lombard Odier Investment Managers (LOIM). “Heutzutage beinhalten Anleiheindizes eine immense Menge an Klimarisiken, die unserer Meinung nach nicht korrekt eingepreist sind“, kritisiert er. Für Bond-Investoren, die eine Netto-Null-Prognose anstreben, stelle sich eine offensichtliche Frage: “Wie sollte das Kohlenstoffrisiko gemanagt werden?“

In der Vergangenheit haben viele Investoren mit Strategien reagiert, die Sektoren und Unternehmen mit hohen Emissionen ausschließen, um wiederum Unternehmen mit geringen Emissionen zu fördern. Aus Zuffereys Sicht ist dieser Ansatz falsch. Eines seiner Argumente: Wenn Unternehmen ignoriert werden, die zwar einen großen Kohlenstoff-Fußabdruck, aber gleichzeitig nachvollziehbare Dekarbonisierungspfade beschreiten, können Investoren die Chancen des Klimawandels nicht nutzen. Die Fortschritte von beispielsweise Stahl- und Zementunternehmen seien maßgeblich entscheidend für die Netto-Null. Solche Unternehmen sollten daher nicht kategorisch aus Fonds ausgeschlossen werden. Ein weiteres Argument des Rentenexperten: Kohlenstoffarme Strategien schränken das investierbare Universum stark ein und erhöhen damit das Konzentrationsrisiko.

Keine zu strengen Ausschlusskriterien anlegen
“Unserer Ansicht nach sollten Investoren, die Chancen nutzen und Risiken bei der Netto-Null-Umstellung vermeiden wollen, eine gesamtwirtschaftliche, zukunftsorientierte Sichtweise einnehmen, die weit über den aktuellen CO2-Fußabdruck hinausgeht“, sagt Zufferey. Letztlich müssten Investoren Unternehmen ausfindig machen, die glaubwürdige Pläne zur Reduzierung ihrer Emissionen umsetzen – unabhängig von ihrer Branche oder ihrem aktuellen CO2-Fußabdruck. “Wir nennen dies Investitionen in den Übergang“, erklärt der Anlagespezialist. (fp)