Die gesetzlichen Krankenkassen haben zum ersten Mal seit drei Jahren wieder auf ihre Reserven zurückgreifen müssen, um die Kosten für die Behandlung ihrer Versicherten zu bezahlen. Die Zuweisungen aus dem staatlichen Gesundheitsfonds alleine reichten dafür nicht mehr aus. In den ersten drei Monaten verbuchten die Krankenkassen daher ein Minus von 112 Millionen Euro, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) berichtet. 2018 hatten die insgesamt 109 Kassen noch einen Überschuss von zwei Milliarden Euro erzielt. 

Der Zeitung zufolge beruhe der Rückgang und die unzureichenden Zahlungen aus dem Fonds vor allem auf zwei Faktoren: Leistungsausweitungen und Beitragssatzsenkungen. So haben laut der FAZ fünf von elf Ortskrankenkassen zu Jahresbeginn ihre Zusatzbeiträge gesenkt und damit schrumpfende Einnahmen einkalkuliert. Das habe vor allem bei der Techniker Krankenkasse, die ihre Beiträge um zwei Zehntel reduziert hatte, zu einem Defizit geführt – 151 Millionen Euro fehlen. Die anderen Kassen lagen alle nahe der Gewinn- und Verlustschwelle. 

Wettbewerbsdruck nimmt zu
Bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) fiel ferner der Anstieg der Leistungsausgaben mit 2,6 Prozent höher aus als im Vorjahr. Bei den Ersatzkassen stiegen die Ausgaben um 4,8 Prozent je Versicherten und damit stärker als die Einnahmen mit 3,6 Prozent. 

"Die Zeit der Überschüsse in der GKV geht vorbei", kommentiert Ulrike Elsner, Vorsitzende des Ersatzkassenverbands, gegenüber der FAZ. Kostenintensive Gesetze wie das für mehr Pflegepersonal und für die zügigere Vergabe von Arztterminen würden zudem erst im Laufe des Jahres ihre Wirkung entfalten. Das werde den Wettbewerbsdruck unter den Kassen spürbar erhöhen. Umso wichtiger sei es deshalb, "dass nun wirklich faire Wettbewerbsbedingungen hergestellt werden". Die Politik müsse die geplante Finanzreform wie geplant umsetzen, sagte Elsner der Zeitung weiter. (jb)