Es gibt immer wieder Nachrichten, die will man kaum glauben: Offenbar hat ein Betrüger eine kleine Genossenschaftsbank in Baden-Württemberg um mehrere Millionen Euro erleichtert, berichtet das Nachrichtenportal finanz-szene.de mit Verweis auf einen ausführlichen Artikel in der Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ). 

Den Berichten zufolge hat die Raiffeisen Privatbank Wiesloch-Baiertal eG dem Mann seit dem Jahr 2016 allein sechs Kredite über insgesamt neun Millionen Euro gewährt. Laut Berechnungen von finanz-szene.de entsprach die Darlehenssumme allein rund 58 Prozent des bilanziellen Eigenkapitals des betroffenen Instituts von Ende 2017. 

Als Sicherheit habe der Betrüger mehrere Konten bei anderen Banken angelegt und die entsprechenden Kontoauszüge gefälscht. Trotz der großen Kreditbeträge habe keiner der Verantwortlichen der Bank bei den anderen Instituten nachgefragt, ob die angeblichen Vermögenswerte auch tatsächlich vorhanden sind. 

Betrüger erstattete Selbstanzeige 
Im Frühjahr 2019 flog der Schwindel auf – aber nur, weil der Betrüger sich selbst angezeigt hatte. Die lokale Öffentlichkeit erfuhr erst häppchenweise von dem Skandal: Ende Oktober wurde zunächst nur bekannt, dass die Bank sich von zwei Vorstandsmitgliedern getrennt hat. Seither kursierten Gerüchte über die Gründe, auf der turbulenten Generalversammlung der Bank in der vergangenen Woche schließlich berichteten die neuen Vorstände den Fall. Demnach hatte die Bank dem Mann erst kleinere Beträge gewährt und diese schließlich immer weiter aufgestockt. Der Gauner soll gleichzeitig und immer wieder größere Geldanlagen bei der Raiffeisenbank in Aussicht gestellt haben.

Für die Verluste der Genossen bis zu einer Höhe von fünf Millionen Euro wird die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken mit einer Garantie gerade stehen. Daneben müsse Eigenkapital in Höhe von 850 000 Euro beigesteuert und ein erheblicher Teil der stillen Reserven aufgelöst werden, berichtet die Rhein-Neckar-Zeitung weiter von der Generalversammlung. Zudem sollen zwei weitere regionale Banken von dem Fall betroffen sein.

Der genossenschaftliche Prüfbericht wertet die Geschäftsführung des Vorstands in dem Betrugsfall als nicht ordnungsgemäß, die Versäumnisse seien als "schwerwiegende Verstöße gegen Gesetz oder Satzung" zu werten, zitiert die RNZ einen Prüfer. Dem Bericht zufolge verzichten die Genossen der Bank dennoch darauf, die beiden Alt-Vorstände auf Schadenersatz zu verklagen. (fp)