Banken in Deutschland haben ein beachtliches Selbstbewusstsein: Für die Mehrheit von ihnen ist es selbstverständlich, dass ihre Kunden ihnen treu bleiben – ohne, dass sie sich großartig bemühen müssten. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Digital Outlook 2025: Financial Services" des Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Lünendonk und Hossenfelder, die in Zusammenarbeit mit dem Dienstleistungsunternehmen Senacor Technologies entstanden ist. 

Laut der Studie sagen sieben von zehn Instituten, dass sie sich gar nicht oder nur wenig anstrengen müssen, um Bestandskunden an sich zu binden. 68 Prozent bleiben selbst gegenüber digitalen Wettbewerbern gelassen. 65 Prozent rechnen damit, auch künftig den Zugang zu ihren Kunden zu behalten.

Die Banken bauen womöglich darauf, dass ihre Kunden zu faul für einen Anbieterwechsel sind. Das ist langfristig allerdings keine gute Strategie. "Sich auf die Kunden zu verlassen, die schon immer da waren, rächt sich eines Tages", sagt Petr Roda, Partner bei Senacor. "Die heute 16- oder 17-Jährigen sind es gewohnt, ihre Dienste mobil und vor allem digital zu nutzen und auch wieder zu kündigen. Diese Generation hat keine Scheu, die mit dem Geld ihrer Eltern geerbten Kontoverbindungen aufzulösen, wenn sie das gebotene Digitalerlebnis stört." 

Die meisten Banken scheinen das noch nicht verstanden zu haben. Laut Studie stehen Plattformen, die Open Banking ermöglichen und damit massiv zum Erfolg von Digitalbanken wie N26 beigetragen haben, ganz unten auf der To-Do-Liste der Geldinstitute. Nur 27 Prozent der befragten Häuser versuchen, hier den Anschluss zu finden. 

Regulierungs- statt Konkurrenzdruck
"Plattformen außen vor zu lassen ist riskant", warnt Roda. "Das können sich nur Banken mit einer ausgesuchten Klientel leisten, etwa besonders wohlhabende Kunden, die sich individuell beraten lassen wollen und ihr Geld wohl kaum selbst am Mobiltelefon verwalten." Die befragten Banken setzen allerdings andere Prioritäten: Sie haben weitaus mehr Angst vor dem Gesetzgeber als vor der Konkurrenz. Satte 93 Prozent der Befragten gaben an, dass sie damit zu kämpfen haben, was in Sachen Regulatorik auf sie zu kommt und wie stark die rechtlichen Vorgaben zunehmen. (fp)