Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi möchte für rund 1.500 Beschäftigte von Wirecard bis Oktober einen Betriebsrat einrichten. Der Grund für diese "Last-Minute-Aktion" ist, dass der Betriebsrat die Interessen der Angestellten im Insolvenzprozess vertreten soll. "Wir gehen davon aus, dass das Unternehmen im Paket verkauft wird", erklärt Verdi-Gewerkschaftssekretär Kevin gegenüber verschiedenen Medien, darunter dem "Handelsblatt". Es gebe Bieter, die den Zahlungsdienstleister mit all seinen Töchter übernehmen wollen. Bei Kündigungen und Sozialplänen im Fall von Betriebsschließungen könne der Betriebsrat dann mitbestimmen, so das Kalkül.

Der in Aschheim bei München ansässige Zahlungsdienstleister ist in einen milliardenschweren Betrugsskandal verwickelt und hat Insolvenz angemeldet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé arbeitet der Wirtschaftszeitung zufolge an einem Gutachten um festzustellen, welche Wirecard-Firmen aus betriebswirtschaftlicher Sicht fortgeführt werden können. Am heutigen Donnerstag (20.8.) sollen daher die Beschäftigten zweier Software-Töchter und der Wirecard-Bank in der Konzernzentrale in Aschheim Wahlvorstände bestimmen, die in den kommenden Wochen die Wahlen von Betriebsräten einläuten. Weltweit hat der Konzern rund 5.800 Mitarbeiter.

Beschlossen und verkündet: Wirecard fliegt aus dem Dax
Derweil meldet die Deutsche Börse, dass Wirecard mit Wirkung zum 24.August aus dem deutschen Leitindex Dax und auch dem TecDax ausscheidet. Dazu war eine Änderung der Regeln und Kriterien für die Zusammenstellung des Index nötig, die die Deutsche Börse vor rund einer Woche beschlossen hatte. Nachfolger von Wirecard im Dax ist der Berliner Lieferdienst Delivery Hero.

Die Entscheidung hat auch schon Kritiker auf dem Plan gerufen. "Ersetzt wird Wirecard durch den Lieferdienst Delivery Hero, der mit über 20 Milliarden Euro bewertet ist, 4,4 Milliarden Euro Umsatz erzielt und von der Gewinnzone soweit wie Wirecard von einem jemals nachhaltigen Geschäftsmodell entfernt war", kommentiert Markus Schön, Geschäftsführer des in Detmold ansässigen Vermögensverwalters Schön & Co. " Die Aufnahmekritierien in Dax und MDax erinnern an eine Casting-Show: Nicht das Beste oder Zukunftsfähigste wird ausgesucht, sondern das Schrillste bekommt einen Platz. So macht man die ohnehin nicht ausgeprägte Finanzkultur in Deutschland noch kleiner." (jb)