Kurzarbeit war in der Kreditwirtschaft Banken bislang nie ein Thema. Die Corona-Krise hat das, wie so vieles andere auch, geändert. Daher haben die privaten Kreditinstitute erstmalig in der Geschichte mit den Gewerkschaften Verdi und dem Deutschen Bankangestellten-Verband (DBV) einen Tarifvertrag zur Kurzarbeit geschlossen  – allerdings nur vorsorglich, denn: "Derzeit ist bei den privaten Banken im Kerngeschäft kein Bedarf an Kurzarbeit erkennbar", zitiert das "Handelsblatt" den Arbeitgeberverband der Banken (AGV). Bei Volksbanken und Sparkassen gebe es dagegen längst Fälle, in denen Kurzarbeit angemeldet wurde.

Der Vertrag der Geschäftsbanken zur Kurzarbeit hat der Wirtschaftszeitung zufolge eine Laufzeit bis Juni 2021 und sieht zum Teil erhebliche Gehaltsaufstockungen vor, die die Verdienstausfälle bei Kurzarbeit wenigstens größtenteils ausgleichen sollen. Der Staat ersetzt bei Kurzarbeit bekanntlich bis zu einer Bemessungsgrenze von 82.800 Euro nur 60 Prozent des Verdienstausfalls, bei Arbeitnehmern mit Kindern sind es 67 Prozent. Die Geldhäuser wollen das nach Gehaltshöhe gestaffelt aufstocken.
 
Gutverdiener über 100.000 Euro gehen leer aus
So sei dem Bericht zufolge für die unteren Tarifgruppen ein Ausgleich von 95 Prozent des Verdienstausfalls vereinbart. Bis zu 100.000 Euro Jahresgehalt gebe es eine Aufstockung auf 75 Prozent des wegfallenden Gehalts. Personen mit Bezügen von mehr als 100.000 Euro erhalten von ihren Brötchengebern aber keinen Ausgleich – zum Ärger des DBV. Der betonte laut Handelsblatt, dass aus seiner Sicht gerade in Bankangestellten-Ballungsgebieten wie Frankfurt, Berlin oder München angesichts hoher Lebenshaltungskosten eine höhere Kappungsgrenze notwendig gewesen wäre.
 
Einen Entlassungsschutz konnten die Gewerkschaften indes nicht durchsetzen. "Ein Kündigungsschutz von bis zu sechs Monaten nachwirkend für alle Beschäftigten in den von Kurzarbeit betroffenen Unternehmen war von uns gefordert worden", sagt Jan Duscheck, Fachgruppenleiter Banken von Verdi, der Wirtschaftszeitung.

Das habe Konsequenzen, denn der Tarifvertrag zur Kurzarbeit sei abschließend. Das bedeutet laut AGV, dass Punkte wie die Aufstockungsbeträge oder ein zusätzlicher Kündigungsschutz nicht nachträglich auf Ebene der Betriebsräte ergänzt werden könnten. Der AGV hält das laut der Meldung für nicht notwendig: Kündigungsschutzregeln seien schon in anderen Tarifwerken enthalten. Zudem diene Kurzarbeit ja gerade der Beschäftigungssicherung. (jb)