Ende 2016 sickerte durch, dass Frank-Peter Martin von Frankfurt Trust zum Bankhaus Lampe wechselt. Dort übernahm er die Leitung des Asset Managements. Martin gilt als Experte für quantitative Investments. Seither legte das Geldhaus unter seiner Leitung drei neue Fonds auf. Seine Kenntnisse bringt er aber auch in das Private Banking des Instituts ein. Im Interview erläutert Martin, wie das Traditionshaus die Art und Weise modernisieren will, wie Vermögen verwaltet wird.


Herr Martin, seit Februar 2017 leiten Sie den Asset-Management-Bereich des Bankhauses Lampe. Welche Ziele verfolgen Sie?

Frank-Peter Martin: Wir verfolgen eine Mission. Wir möchten in dieser immer komplizierteren Welt und angesichts immer komplexerer Kapitalmärkte diversifizierte, verlässliche und nachvollziehbare Asset-Management-Dienstleistungen und vor allem wiederholbare Ergebnisse anbieten. Wir wollen meine Erfahrung und die meines Teams in die Dienste institutioneller, insbesondere aber auch privater Kunden stellen. Denn mein Eindruck ist, dass Privatkunden oftmals schlecht diversifizierte, hoch konzentrierte Portfolios haben. Diese reagieren auf Schocks so, wie es nicht sein sollte: mit empfindlichen Verlusten. Solche Portfolios entsprechen vielfach längst nicht den Standards, wie sie sich im institutionellen Bereich finden.

Wie meinen Sie das?

Martin: Wenn Sie schauen, wie heute ein Staatsfonds investiert, dann hat das nichts mehr mit der Art von Asset Management zu tun, wie sie in vielen Privatanleger-Depots noch immer vorzufinden ist. Die Frage ist: Warum ist das so, wo doch die Technologie und das Knowhow vorhanden sind, um fortschrittliches Asset Management auch für Privatanleger umzusetzen? Dieses Defizit wollen wir ausräumen und haben darum drei Total-Return-Fonds aufgelegt und bieten in der privaten Vermögensverwaltung Konzepte an, die sich an den Anlagemechanismen institutioneller Investoren orientieren.

Wie gehen Sie dabei vor?

Martin: Wir nutzen innovative Technologien, um komplexe Zusammenhänge an den Märkten zu erfassen. Daraus generieren wir effizient und verlässlich einen Mehrwert. Dank der Technologie können wir dies besser leisten als der Mensch, der sich gerne auf sein Bauchgefühl stützt.


Auch die Industriellenfamilie Quandt baut eine Boutique für quantitative Investmentstrategien auf. Diese leitet der ehemalige Sal.-Oppenheim-Chef Wolfgang Leoni. Welche Strategien er dabei verfolgt, verrät Leoni im Interview im neuen Heft 1/2018 von FONDS professionell, das in den nächsten Tagen erscheint.


Sie verfolgen also einen quantitativen Ansatz.

Martin: Ich stoße mich an dem Begriff quantitativ. Auch ein klassischer Bottom-up-Manager arbeitet mit quantitativen Methoden. Er analysiert ein Unternehmen und vergleicht seine Ergebnisse mit der Bewertung durch den Markt. Es ist vielmehr wichtig, systematisch vorzugehen. Wir nutzen Rechenleistung und Algorithmen, um systematisch besser zu sein, als dies der Mensch alleine könnte. Die Zusammenhänge an den Kapitalmärkten sind wie gesagt viel komplexer geworden. Das beschert systematischen Ansätzen einen erheblichen Aufwind.

Maschinen sind also bei Investments dem Mensch überlegen?

Martin: In gewisser Weise ja. Die erfolgsentscheidenden Faktoren beim Asset Management sind im Grunde der schnellere Zugriff und die bessere Verarbeitung von Informationen. Der Zugriff auf Informationen ist heute nicht mehr das Thema, diese sind einfach und schnell verfügbar. Der Knackpunkt ist vielmehr die Verarbeitung der Informationen, denn die Datenfülle ist enorm groß. Gestützt auf die Technologie strukturieren wir Produkte, die effizient und fokussiert die Bedürfnisse unserer Kunden erfüllen. In der Industrie setzen längst auch Mittelständler automatisierte Fertigungsstraßen ein. Davon ist die Asset-Management-Branche weit entfernt. Diese arbeitet oftmals noch wie eine Manufaktur.

Die Branche hält diese Praxis ja noch hoch und verweist auf die "Handarbeit" aktiver Manager.

Martin: Manufakturarbeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass das entstandene Produkt auch wirklich besser ist. Wenn ich es als Anbieter schaffe, die Kundenbedürfnisse einzeln zu erfassen und sie industriell umzusetzen, dann habe ich beides: sowohl eine preiswerte Produktion als auch die Wünsche der Kunden individuell erfüllt. Die Autoindustrie ist da ein schönes Beispiel: Sie können sich heute ein Auto ganz nach ihren Wünschen zusammenstellen lassen. Das geht nur, weil die Fertigung dahinter automatisiert und skalierbar ist – und die Produktion entsprechend preiswert. Das ist auch unser Ziel. Im Asset Management muss ich zudem noch erklären, warum eine Anlagestrategie funktioniert hat oder eben nicht. Ich muss also auch nachvollziehbar produzieren.

Reichen Sie denn die günstigen Produktionskosten auch an Ihre Kunden weiter?

Martin: Natürlich. Publikumsfonds sind mit dem Mythos behaftet, teuer zu sein. Doch sie sind letztlich nur ein Vehikel. Und wenn ich sie preislich so attraktiv gestalte, dann ist dieser Mythos gebrochen. Unsere Produkte haben nichts mehr mit Publikumsfonds alter Machart und ihren Ausgabeaufschlägen oder hohen Gebühren zu tun. Wir verlangen keine Ausgabeaufschläge. Bei Privatkunden belaufen sich die laufenden Kosten je nach Renditeziel zwischen 40 und 100 Basispunkten, bei institutionellen Kunden liegen sie deutlich darunter und sind verhandelbar. Unser Gebührenniveau ist deutlich angemessener als bei den meisten Mitbewerbern.

Wie kommen die Fonds bei den Kunden an?

Martin: Sehr gut. In Summe verwalten wir in den drei Publikumsfonds rund eine Milliarde Euro – erst wenige Monate nach dem Start. Hinzu treten noch signifikant Mittel aus dem institutionellen Bereich, die in Spezialfonds liegen. Das zeigt: Das Interesse der Kunden an Lösungen, die auf ihre Bedürfnisse maßgeschneidert sind, ist extrem groß.

Schichteten Kunden Geld aus der Vermögensverwaltung des Bankhauses Lampe in die Funds um?

Martin: Nein, eben nicht. Das ist überwiegend Geld, das Kunden neu investierten.

Wollen Sie die Fonds über das Lampe-Netzwerk hinaus vertreiben?

Martin: Die drei Total-Return-Fonds sind eine Komponente im Komplettpaket der Vermögensverwaltung, die wir derzeit in unseren Niederlassungen neu platzieren. Darüber hinaus können Sie natürlich auch außerhalb unserer Beratung eingesetzt werden. Wir sind mitten in dem Prozess, die drei Fonds auch bei anderen Banken zu positionieren.

Sie sagten, Ihre Fonds sollen für die Anleger nachvollziehbar sein. Wie erfüllen Sie das?

Martin: Für die drei Produkte entwickelten wir eine Web-App, die tagesaktuell Einblick in die Portfolios gewährt. Dabei betreten wir Neuland, was die umfassende Transparenz angeht. Für die Kunden ist jederzeit ersichtlich, welche Ertragstreiber den Fondswert nach oben oder nach unten verändert haben. Dabei haben wir auf die digitale Expertise unseres Mutterhauses Oetker zurückgegriffen und die Erfahrungen aufs Asset Management übertragen. Bislang ist die App nur unseren Beratern und institutionellen Kunden zugänglich, wir wollen sie aber für Privatanleger öffnen. Die App schafft eine neue Ebene, wie Kunden Einblicke in unsere Produkte erlangen. Das ist im Finanzbereich in der Form noch nicht dagewesen.

Vielen Dank für das Gespräch. (ert)