Fintechs galten lange Zeit als das Schreckgespenst für die traditionellen Banken. Doch mittlerweile nähern sich die Konkurrenten einander an, zahlreiche Banken beteiligen sich an den Start-ups und kooperieren mit ihnen. Einige Häuser gründen sogar selbst. So leistete beispielsweise die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) umfangreiche Geburtshilfe für die neu gestartete Crowdfunding-Plattform Xavin. Nina Gladen, eine der Gründerinnen, erläutert im Interview mit FONDS professionell ONLINE die Hintergründe.


Frau Gladen, was genau macht Ihr Unternehmen?

Nina Gladen: Die Plattform Xavin bringt Kunden der Bank, die nach einer sinnvollen, rentablen Geldanlage suchen, mit Vereinen zusammen, die Bedarf an Kapital für ihre Infrastrukturprojekte haben. Der Verein finanziert sich über seine Mitglieder und Unterstützer. Diese erhalten im Gegenzug eine sinnvolle und rentable Geldanlage und profitieren dazu von einer emotionalen Rendite.

Xavin ist sozusagen aus der Landesbank Baden-Württemberg heraus entstanden. Was waren die Motive für die Gründung und wer hatte die Idee dazu?

Gladen: Im Rahmen der Digitalisierung möchte die LBBW neue Prozesse verproben und die Möglichkeit nutzen, Ideen schnell und erfolgreich ausgliedern zu können. Die große Anzahl an Fintechs zwingt auch Banken dazu, neu zu denken und an dem Wandeln teilzunehmen. Deshalb beteiligte sich die LBBW im Jahr 2016 am Inkubatoren-Programm der Pioniergeist GmbH. Hier entwickeln Gründertalente und erfolgreiche Großunternehmen gemeinsam neue Geschäftsmodelle, die auch direkt in die Tat umgesetzt und auf den Markt gebracht werden sollen. Xavin war der Vorreiter für die darauffolgenden Prozesse solcher Ausgründungen und verbundenen Prozesse in der LBBW.

Warum finanziert die Bank die Projekte nicht direkt selbst?

Gladen: Für die Bank bietet sich die Möglichkeit, Finanzierungen über einen Partner abzuwickeln, die mit Hinblick auf Kosten, Erlöse und schlechter Sicherheitenverwertung im klassischen Bankgeschäft nur noch schwer darstellbar sind und der Kunde damit nicht in allen Fällen bedient werden kann. Auch der stark wachsende Ansatz der Nachhaltigkeit und der Wunsch der Anleger, sich in der eigenen Region zu engagieren, ist ein Aspekt, der heutzutage immer wichtiger für die Banken ist.

Wie viele Projekte konnten Sie bereits finanzieren?

Gladen: Bislang wurden 500.000 Euro für acht Vereinskampagnen finanziert. Dazu zählen neue Böden für einen Tennis- oder Reitverein, die Erneuerung von Sanitäranlagen, der Bau eines großen Spielplatzes für die kleinsten Mitglieder, der Kauf von Grundstücken für einen Anglerverein und Fußballverein bis hin zum Bau einer multifunktionalen Freilufthalle. Demnächst werden zwei Privatschulen das Modell nutzen, um in ihre Infrastruktur zu investieren oder neue Räumlichkeiten für eine weitere Schülergruppe zu bieten.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der LBBW, nachdem Xavin seit 2018 als eigenständiges Unternehmen firmiert?

Gladen: Die Landesbank ist über ihren Venture-Arm LBBW-VC in Xavin investiert und weiterhin am Erfolg von Xavin interessiert. Der Vertrieb der LBBW und der BW-Bank nutzt Xavin als alternative Möglichkeit für Vereinsfinanzierungen, bei denen aus den genannten Gründen der Bankberater die Finanzierung selbst schwer abwickeln kann, den Kunden aber keinesfalls verlieren möchte. Auch Stiftungen aus dem Kundensegment der LBBW nutzen das Angebot, um regional gemäß Ihres Stiftungszwecks zu investieren. Ebenso besteht der Wunsch von Privatkunden mit hohem Bestand an Liquidität, ein Investment zu tätigen, welches nachhaltig wirkt und eine Rendite erbringt, die deutlich über dem Kapitalmarkt liegt.

Welche Vorteile bietet die Kooperation zwischen der Bank und Ihrem Unternehmen?

Gladen: Die LBBW stellt für Xavin den wichtigsten Vertriebskanal dar. Die Kunst ist, Kontakte zu Vereinen mit aktuellem Finanzierungsbedarf zu erhalten. Viele Berater der LBBW führen Vereine in ihrer Kundenverbindung und haben genau diesen direkten Kontakt. Nichts ist besser als die Empfehlung eines Beraters beim Verein für ein ergänzendes Angebot. Da sich eine Xavin-Finanzierung durch qualifizierte Nachrangdarlehen positiv auf die Eigenkapitalstruktur des Vereins auswirkt, ist eine Bankfinanzierung im Anschluss deutlich interessanter für die Bank. Darüber hinaus hat sich Xavin mithilfe der LBBW einen Pool aufgebaut, der aus Anlegern besteht, die an regionalen Anlagemöglichkeiten interessiert sind. Denn zwischen 30 und 40 Prozent der Anleger stammen nicht aus dem direkten Vereinsumfeld.

Vielen Dank für das Gespräch. (mh)


Weitere Beispiele für Kooperationen zwischen Banken und Fintechs finden Sie in der aktuellen Heftausgabe 1/2019 von FONDS professionell, die den Abonnenten in diesen Tagen zugestellt wird, ab Seite 348. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.