Die Anlagegesellschaft Varian Defensive Capital (VDC) aus dem bayerischen Pöttmes droht offenbar, im Strudel der Affäre um die Anlagefirma Picam zu versinken. Einem Bericht des "Handelsblatt" zufolge steht VDC kurz vor der Insolvenz. Das zuständige Amtsgericht in Augsburg hat am Freitag den Anwalt Michael Bauer zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. Er soll verhindern, dass Vermögen abfließt, bis das Gericht über den Insolvenzantrag entscheidet. Gestellt hat den Antrag die Finanzaufsicht Bafin.

Im Picam-Verbund hatten Vermögensverwalter bis zu 300 Millionen Euro von Anlegern eingesammelt. Die Berliner Staatsanwaltschaft glaubt, dass die Picam-Verantwortlichen seit 2009 ein Schneeballsystem betrieben haben. Picam hatte VDC Anfang 2017 mit einem heißen Angebot gelockt, schreibt das "Handelsblatt": Die Firma könne rund 80 Makler unter ihr Haftungsdach nehmen, die das neue "PiccoxZertifikat" vertreiben würden. Für VDC schien das ein willkommener Coup zu sein, die Firma hatte bis dato ein halbes Dutzend Mitarbeiter. 

Vermittler sehen sich als Opfer
Doch der Vertrieb des Zertifikats entpuppte sich schnell als hochproblematisch. Die Makler gingen mit einer von Picam propagierten Geschichte auf Anlegerfang: Es lockten Renditen von 15 bis 20 Prozent, und das Geld sei täglich verfügbar. Deshalb übertrugen Unbefangene viele ihre verwalteten Vermögensbestände in das neue Wertpapier, obwohl ihnen wichtige Unterlagen wie der Prospekt vorenthalten wurden. So fiel nicht auf, dass der Rückzahlungstermin für Ende 2030 festgeschrieben war.

Viele der Vermittler spielten das Spiel offenbar mit, weil sie sich unter dem Haftungsdach sicher fühlten, heißt es in dem Bericht. Inzwischen sehen die Vermittler sich als Opfer. Zumal viele Makler ihr privates Geld ebenfalls bei Picam angelegt haben – und nun gleich zwei Probleme auf einmal haben. (fp)