Kunden deutscher Lebensversicherungsgesellschafen fragen immer öfter nachhaltige Produkte nach. Aus diesem Grund spielt das Buchstabentrio ESG auch bei der Anlagepolitik der Versicherer eine immer größere Rolle, wie das "Handelsblatt" unter Verweis auf die Vorstellung des Assekurata-Branchenausblicks 2021 berichtet. Reiner Will, Geschäftsführer der Assekurata, spricht bereits von einer vierten Dimension, um die der bisherige Dreiklang in der Lebensversicherung aus Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit erweitert wird. 

Vor allem Jüngere, die sich nach Ausbildung oder Studium erstmals um Absicherung und Vorsorge kümmern, sei dieser Aspekt sehr wichtig. Für mehr als die Hälfte der von Assekurata befragten Kunden seien ESG-konforme Investitionen essenziell. In vorherigen Befragungen sei die Zahl derjenigen, die dem Thema Nachhaltigkeit so große Bedeutung beigemessen haben, deutlich kleiner gewesen. 

Problem: Wie legt man nachhaltig an?
Das stellt die Gesellschaften vor große Herausforderungen in ihrer Anlagepolitik – übrigens auch noch getrieben durch die Regulierung, weil im Laufe des kommenden Jahres bei der Beratung die Abfrage von ESG-Präferenzen zur Pflicht wird. Aktuell sind nach Angaben der Assekurata unverändert fast 83 Prozent der Kundengelder in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Die restlichen 17 Prozent verteilen sich unter anderem auf Aktien, Immobilien und alternative Anlagen wie Windparks, wie das Handelsblatt weiter berichtet.

Da bei den festverzinslichen Wertpapieren kein schneller Austauch Richtung ESG-konformer Schuldtitel möglich ist oder wenn, dann nur zulasten der Sicherheit, werde Nachhaltigkeit bevorzugt in anderen  Anlageklassen wie Aktien, Private Equity und bei  Corporate Bonds umgesetzt.

Versicherer kamen gut durch die Corona-Krise
Bei der Präsentation des Assekurata-Marktausblickes wurde aber nicht nur über Nachhaltigkeit geredet. Die in Köln ansässige Ratingagentur kommt in der Studie zu dem Schluss, dass die Branche gut durch das von der Corona-Pandemie geprägte Geschäftsjahr 2020 gekommen sind – die Solvenzquoten sind ein anderes Thema. "Der leichte Bestandsrückgang bei den laufenden Prämien von 0,8 Prozent konnte durch den Zuwachs bei den Einmalprämien weitgehend aufgefangen werden, so dass die Branche unter dem Strich eine rote Null verzeichnet hat", sagt Will. 

Im Neugeschäft haben sich besonders Fondspolicen gut entwickelt. Nach Einschätzung der Assekurata-Experten werden die Anbieter in diesem Segment die Wachstumsbemühungen weiter ausbauen – nicht zuletzt wegen der beschlossenen Höchstrechnungszinsabsenkung ab 2022. Hierdurch werden sich Garantien in klassischen Lebensversicherungsprodukten noch schwerer kalkulieren lassen, so dass sich infolgedessen der Produktschwenk im Neugeschäft weiter intensiveren dürfte. "Bei einem künftigen Rechnungszins von 0,25 Prozent sind vollständige Kapitalgarantien auf die eingezahlten Beiträge kalkulatorisch kaum mehr möglich, so dass für die Lebensversicherungsprodukte spätestens ab kommendem Jahr eine neue Ära beginnt", prognostiziert Will. (jb)