Tom Hayes, einst gefeierter Star-Händler der UBS und Symbolfigur des Libor-Skandals, hat seinen ehemaligen Arbeitgeber verklagt. Er wirft der Schweizer Bank vor, ihn den internationalen Strafverfolgungsbehörden "auf dem Silbertablett serviert" zu haben, um das Institut und dessen Führungsetage zu schützen.

Am Montag (27.10.) reichte Hayes vor einem Gericht im US-Bundesstaat Connecticut eine Klage wegen "böswilliger Strafverfolgung" ("malicious prosecution") gegen die UBS ein. Er verlangt mindestens 400 Millionen US-Dollar Schadenersatz. Seine Anwälte argumentieren, es sei innerhalb der Bank weit verbreitet gewesen, dass Händler versuchten, den London Interbank Offered Rate (Libor) zu beeinflussen, um Gewinne für die UBS zu erzielen – ein Vorgehen, das damals nicht strafbar gewesen sei.

Spektakulärer Fall – und späte Wende
2015 war Hayes in Großbritannien wegen Manipulation des Referenzzinssatzes schuldig gesprochen worden – ein Urteil, das eine Welle von Anklagen gegen Londoner Banker auslöste. Trotz mehrerer Berufungen blieb die Verurteilung bis Juli dieses Jahres bestehen, als der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreichs sie aufhob. Damit brach die spektakulärste Finanzstrafverfolgung des vergangenen Jahrzehnts in sich zusammen.

"Hayes wurde zum handverlesenen Sündenbock der UBS gemacht", erklärten seine Anwälte in der Klageschrift. "Auch wenn Hayes inzwischen seinen Namen reingewaschen hat, hat das skandalöse Verhalten der UBS sein Leben unwiederbringlich zerstört."

Libor: Vom Leitwert zum Skandalbegriff
Der Libor war über Jahrzehnte eine zentrale Größe der Finanzmärkte. Er bestimmte die Höhe von Zinsswaps, Hypotheken- und Kreditkartenzinsen – und bildete die Grundlage für Kredite und Wertpapiere im Volumen von mehr als 350 Billionen Dollar.

Die weltweite Untersuchung unter Leitung des US-Justizministeriums führte zu Geldstrafen von fast zehn Milliarden Dollar gegen ein Dutzend Banken und Brokerhäuser. Das Serious Fraud Office (SFO) in Großbritannien hatte ursprünglich neun Verurteilungen wegen Betrugs erwirkt. Nach der Aufhebung eines Urteils stuft die Behörde jedoch inzwischen die meisten dieser Fälle selbst als unsicher ein.

Die UBS selbst war kein Verfahrensbeteiligter im Strafprozess zwischen dem SFO und Hayes. Eine Sprecherin der Bank lehnte eine Stellungnahme ab.

In der Klageschrift verlangen Hayes' Anwälte, die UBS müsse ihm mindestens 400 Millionen Dollar zahlen – eine Summe aus entgangenem Einkommen sowie schwerem emotionalen, physischen und psychischen Schaden, einschließlich dem Ende seiner Ehe.

"UBS brauchte sehr spezifischen Bösewicht für ihre Inszenierung"
Die UBS hatte 1,5 Milliarden Dollar an amerikanische, britische und Schweizer Aufsichtsbehörden gezahlt, um Ermittlungen wegen Zinsmanipulation beizulegen. Diese Summe wäre deutlich höher ausgefallen, hätten die Schweizer nicht mit dem US-Justizministerium und dem SFO kooperiert – indem sie, so die Anwälte, "Hayes auf dem Silbertablett servierten".

"Die UBS brauchte einen sehr spezifischen Bösewicht für ihre Inszenierung", heißt es weiter in der Klageschrift. "Sie brauchte ein ausreichend prominentes Ziel, um die Aufseher zufriedenzustellen – aber jemanden auf niedriger Ebene, damit die UBS glaubhaft bestreiten konnte, dass das Topmanagement involviert war."

Vom Top-Trader zum Sündenbock
Hayes arbeitete von 2006 bis 2009 bei der UBS. Er behauptet, in dieser Zeit rund 300 Millionen Dollar Gewinn für die Bank erwirtschaftet zu haben – bei einem Jahresgehalt von über drei Millionen Dollar. Danach wechselte er zu Citigroup, wo ihm das Vorgehen untersagt und er 2010 entlassen wurde. 2012 wurde er verhaftet, 2015 zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt. Seit seiner Freilassung 2021 kämpft er unermüdlich gegen die Auffassung, sein Verhalten sei kriminell gewesen.

"Es geht nicht um Geld"
Hayes erklärte, als leitende UBS-Manager von seinen Bemühungen erfuhren, Libor-Meldungen zugunsten der Handelspositionen der Bank zu beeinflussen, hätten sie "den Wert seiner Beiträge anerkannt und ihm eine höhere Vergütung angeboten". Führungskräfte seien sich bewusst gewesen, dass Händler wie Hayes bei der Festsetzung des Dollar-Libor systematisch die eigenen Positionen berücksichtigten.

"Jeder wird denken, es gehe hier um Geld, aber das stimmt nicht", sagte Hayes in einem Interview. "Es geht darum, sicherzustellen, dass so etwas anderen Menschen in Zukunft nicht passiert – es geht um Abschreckung." (mb/Bloomberg)