Der Hamburger Asset Manager Lloyd Fonds will den ebenfalls in der Hansestadt ansässigen Vermögensverwalter SPSW Capital übernehmen. Die Zustimmung der Lloyd-Fonds-Hauptversammlung vorausgesetzt, wird das börsennotierte Unternehmen zunächst 90 Prozent der SPSW-Anteile übernehmen. Später soll die Investmentboutique komplett übernommen und konsolidiert werden.

Damit treibt Lloyd Fonds den im vergangenen Sommer beschlossenen Komplettumbau voran. Die Hamburger waren einst eine Größe im Markt für geschlossene Immobilien- und Schiffsbeteiligungen, wollen nun aber zum unabhängigen Vermögensverwalter mit Fokus auf offene Publikumsfonds werden. Erste Schritte sind bereits getan: Die Gesellschaft holte prominente Portfoliomanager an Bord, lancierte vier Wertpapierfonds und übernahm den Vermögensverwalter Lange Assets & Consulting.


Mehr zur Neuaufstellung von Lloyd Fonds lesen Sie in der soeben erschienenen Ausgabe 1/2019 von FONDS professionell ab Seite 292. Angemeldete FONDS professionell KLUB-Mitglieder können den Beitrag auch hier im E-Magazin abrufen.


Der nun geplante Schritt hat allerdings eine neue Dimension – sowohl mit Blick auf das verwaltete Vermögen als auch hinsichtlich der personellen Verflechtungen und Konsequenzen. SPSW verwaltet fast 650 Millionen Euro, was das Lloyd-Fonds-Vermögen mit einem Schlag auf über eine Milliarde Euro hebt. Bekannt ist das Haus vor allem für seine Mischfonds SPSW - WHC Global Discovery und SPSW - Global Multi Asset Selection, die auf lange Sicht die meisten Wettbewerber deutlich hinter sich lassen konnten und in den vergangenen Jahren zu den Bestsellern im freien Vertrieb gehörten. Die beiden Portfolios wurden im Januar dieses Jahres mit dem DEUTSCHEN FONDSPREIS 2019 ausgezeichnet.

Mit der geplanten Transaktion kehren sich die Besitzverhältnisse gewissermaßen um: Während aktuell rund 15 Prozent der Lloyd-Fonds-Aktien in den SPSW-Fonds liegen, hat künftig Lloyd Fonds bei SPSW das Sagen. Ein weiterer Großaktionär ist die Beteiligungsgesellschaft DEWB, die 28,4 Prozent der Lloyd-Fonds-Aktien hält. Starker Mann im Hintergrund ist Achim Plate: Er ist Aufsichtsratschef der DEWB und geschäftsführender Gesellschafter von SPSW. Noch sitzt er außerdem dem Lloyd-Fonds-Aufsichtsrat vor, doch auch das wird sich ändern: Nach der Übernahme von SPSW soll er Vorstandschef von Lloyd Fonds werden.

Kaufpreis im "mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich"
Konkret soll die Übernahme der SPSW Capital über eine sogenannte gemischte Sacheinlage erfolgen. 90 Prozent der SPSW-Anteile gehen an die Lloyd Fonds AG, die dafür 1,5 Millionen neue Aktien zu jeweils sechs Euro ausgibt. Zusätzlich sind eine Barvergütung und ein Gewinnausgleich für das Jahr 2019 vorgesehen. "Daneben werden beiderseitige Optionsrechte für die verbleibenden zehn Prozent der Gesellschaftsanteile eingeräumt, die frühestens nach vier Jahren ausgeübt werden können", heißt es in der Mitteilung.

In Summe wird sich der Kaufpreis, der unter anderem von der Entwicklung des Vermögens und der Performance der SPSW-Fonds abhängt, auf einen "mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich" belaufen. Überdies haben Vorstand und Aufsichtsrat von Lloyd Fonds die Ausgabe einer Wandelanleihe mit einem Gesamtnennbetrag von bis zu 6,5 Millionen Euro und drei Jahren Laufzeit beschlossen.

Ein unabhängiger Gutachter soll den Wert der SPSW-Anteile bestätigen
"Um bei dieser für die Gesellschaft wichtigen Transaktion die Aktionäre angemessen einzubeziehen, wird bewusst nicht auf das vorhandene genehmigte Kapital der Gesellschaft zurückgegriffen, sondern die Umsetzung in der Hauptversammlung am 12. Juni 2019 zur Abstimmung gestellt, wobei eine Zustimmung von mindestens 75 Prozent des vertretenen Grundkapitals der Gesellschaft erforderlich ist", heißt es in der Mitteilung.

Lloyd Fonds räumt in der Mitteilung ein, dass bei dieser Transaktion zusätzlich "weitere Schritte (…) zur Wahrung der Interessen der Aktionäre notwendig" sind. Unter anderem wird für den "Wert der Sacheinlage", also der SPSW-Anteile, ein Gutachten "durch einen gerichtlich bestellten unabhängigen Gutachter" angefordert.

Neuer Aufsichtsrat, neuer Firmenname
Die Hauptversammlung soll außerdem beschließen, den Aufsichtsrat auf fünf Mitglieder zu erweitern. Zur Wahl stellt sich der Rechtsanwalt und Axel-Springer-Aufsichtsrat Oliver Heine, der Anteile an Lloyd Fonds und der neuen Tochtergesellschaft Lange Assets hält.

Den Aktionären wird überdies vorgeschlagen, das Unternehmen von Lloyd Fonds AG in Lloyd Capital AG umzubenennen, "um die Neuaufstellung und Neupositionierung des Unternehmens und die breitere Aufstellung zu betonen", wie es in der Mitteilung heißt. Der neue Name soll das "gemeinsame Dach für die drei Säulen des Geschäftsmodells" bilden, unter dem nur die Publikumsfonds weiterhin "Lloyd Fonds" als Produktnamen führen werden.

Die vier neuen Fonds konnten schon 40 Millionen Euro einsammeln
"Mit den SPSW-Fonds, die bereits einen mehrjährigen, sehr erfolgreichen Track-Record aufweisen können, erweitern wir passgenau unser Fondsangebot", lässt sich Michael Schmidt, der neue Investmentchef des Asset Managers, in der Pressemitteilung zitieren. "So schaffen wir Mehrwert gegenüber passiven Investmentansätzen über eine ganze Bandbreite von Risiko-Rendite-Profilen." Wichtig für die Investoren der SPSW-Fonds: Die vier Portfoliomanager – neben Plate sind das Robert Suckel, Henning Soltau und Markus Wedel – sollen die Fonds auch künftig steuern.

Der breite Vertriebsstart für die vier im April neu aufgelegten Publikumsfonds soll am 2. Mai erfolgen. Bislang haben Seed-Investoren bereits rund 40 Millionen Euro in diese Fonds investiert, geht aus der Mitteilung hervor. (bm)