Rund 5.000 Anlegern, die Auszahlungen aus dem Fonds Lombard Classic 2 (LC2) erhalten haben, droht drei Jahre nach der Insolvenz des Hamburger Luxuspfandleihhauses Lombardium ein übler Flashback. Der Grund: Insolvenzverwalter Frank-Rüdiger Scheffler will von den Investoren rund 60 Millionen Euro zurückholen, die Lombardium mutmaßlich zu Unrecht an sie ausgeschüttet hat. Dies berichtet das "Handelsblatt". Die Zahlungsaufforderungen werden der Zeitung zufolge ab sofort schubweise verschickt. Bis zum Frühjahr 2020 sollen sie nach und nach in den Briefkästen der Anleger landen.

Die Lombardium-Gruppe habe ein verbotenes Schneeballsystem betrieben und seit 2013 keine Gewinne mehr erwirtschaftet, sagte Scheffler dem "Handelsblatt". Das Unternehmen schüttete seitdem laut seiner Interpretation demnach Scheingewinne aus, was in Schneeballsystemen keine Seltenheit sei. Diese Auszahlungen seien nur möglich gewesen, weil Lombardium zuvor bei weiteren Anlegern neues Geld eingesammelt habe. Ausgeschüttete Scheingewinne müssen Insolvenzverwalter in Deutschland aber generell anfechten, wenn die Zahlungen in den vier Jahren vor Eintritt der Pleite erfolgt sind. Damit sind von einer solchen Anfechtung auch Investoren betroffen, die zum Zeitpunkt der Insolvenz bereits ausgestiegen waren.

Kredite für Reiche
Bei Lombardium hatten Anleger rund 120 Millionen Euro investiert, indem sie sich als stille Gesellschafter an zwei Unternehmen beteiligten. Die "Erste Oderfelder Beteiligungsgesellschaft mbH und Co. KG" bot laut Handelsblatt den LC2-Fonds an. Das investierte Kapital floss dem Bericht zufolge an das Hamburger Luxuspfandhaus. Der Pfandleiher reichte es in Form von kurzfristigen, teuren Krediten an wohlhabende Personen zur Überbrückung finanzieller Engpässe aus, die dafür Luxusgegenstände hinterlegten. Für die Investoren sollten Renditen von bis zu sieben Prozent drin sein, versprach Lombardium.

Die Pfandgeschäfte seien zum großen Teil aber erfunden oder fingiert gewesen, sagte Scheffler dem "Handelsblatt". 2016 meldete Lombardium Insolvenz an. Ob sich Investoren, die zu dieser Zeit bereits ausgestiegen waren, gegen die Forderung des Insolvenzverwalters erfolgreich wehren können, ist fraglich. Der Berliner Anlegeranwalt Christian Röhlke erklärte dem "Handelsblatt", er sehe hier "relativ wenig Spielraum". (am)