Paukenschlag in Hamburg: Tausende Anleger des insolventen Containermanagers Magellan stehen vor einem Scherbenhaufen, der plötzlich noch größer zu werden droht. Im neuen Investorenrundschreiben vom vergangenen Freitag erklären Magellan und der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt, dass die Anleger keinen Anspruch auf die Mietzahlungen der Reedereien hätten. Wörtlich heißt es in dem Brief:

"Die Frage, ob Ihnen die Mietforderungen gegenüber den Reedereien direkt zustehen, somit von einer Forderungsabtretung zu Gunsten der Anleger auszugehen ist, muss nach rechtlicher Prüfung durch den vorläufigen Insolvenzverwalter und Einholung eines Rechtsgutachtens der Kanzlei CMS Hasche Sigle verneint werden."

Mieten der Reeder werden Insolvenzmasse
Das bedeutet: Die Mietzahlungen der Reedereien, die Magellan gemäß Verwaltungsvertrag für die Investoren einzieht, werden zur Insolvenzmasse gezählt. Dadurch werden mit diesem Geld auch die Insolvenzkosten und die Forderungen der übrigen Gläubiger bedient.

In einer kurzfristig veröffentlichten Presseaussendung erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Borchardt, dass Magellan den Investoren die Mietforderungen bei Vertragsschluss nicht rechtswirksam abgetreten habe und somit selbst Inhaber der Mietforderungen sei. Für die Investoren ist das ein Schlag ins Gesicht.

"Nicht von erheblicher Bedeutung"
Die Gemüter zusätzlich erhitzen dürfte die Bemerkung von Magellan: "Im wirtschaftlichen Ergebnis ist dies für Sie aus hiesiger Sicht aber nicht von erheblicher Bedeutung. Denn die Mietforderungen können nach unserer Überzeugung ausschließlich durch das Unternehmen (gemeint ist Magellan; Anm.) als Vermieter weiter eingetrieben werden." Ganz so ist es aber nicht: Das Management beziehungsweise die Verwaltung der Mietverträge lassen sich sehr wohl auf andere Leasing- und Assetmanager übertragen.

Auch Insolvenzerwalter Borchardt sieht nur eine "wirtschaftlich vergleichsweise geringe Rolle", da die Anleger ohnehin Anspruch auf den allergrößten Teil sämtlicher Erlöse und Vermögenswerte hätten. Was er in der Presseaussendung nicht sagt: Die Ansprüche der Gläubiger werden erst nach Abzug der Insolvenzkosten bedient. Da die Mieten der Reedereien nun zur Insolvenzmasse gezählt werden, erhöhen sie die Insolvenzmasse und Insolvenzkosten, was die Auszahlungen an die Anleger und übrigen Gläubiger reduziert. Jetzt droht ein jahrelanger Rechtsstreit, in dem ein Gericht klären muss, ob und welche Mietzahlungen den Anlegern zustehen. 

Verwaltungsvertrag tritt Ansprüche ab
Zum Hintergrund: Magellan hat die Container an die Anleger verkauft und mit ihnen einen Verwaltungsvertrag zur Vermietung der Container geschlossen. Dabei erhielten die Investoren von Magellan eine fest vereinbarte, garantierte Miete. Die Boxen vermietete das Unternehmen an Reedereien auf der ganzen Welt. Dafür zahlen diese Leasingraten, die Magellan gemäß des mit den deutschen Anlegern geschlossenen Verwaltungsvertrags einziehen und zunächst behalten darf. In dem Verwaltungsvertrag heißt es aber auch:

"Sämtliche Rechte und Pflichten aus dem Miet- oder Verwaltungsverhältnis gehen gleichzeitig mit der Eigentumsübertragung auf den Investor über. (…) Die Abtretung wird hinfällig, sobald der Vertrag gekündigt oder Magellan aus sonstigen Gründen nicht mehr in der Lage ist, die nach diesem Vertrag geschuldeten Leistungen zu erbringen. Dies gilt auch für den Fall, dass Magellan seine Garantieverpflichtungen nicht ordnungsgemäß erfüllen sollte. Die Rechte aus dem Miet- oder Verwaltungsverhältnis werden dann von dem Investor oder einem von diesem bestellten neuen Verwalter unmittelbar wahrgenommen."

Auszahlung an Investoren nach Gläubigerversammlung im Herbst
Über die Vermietungssituation und Auslastung der Container verliert Magellan im Rundschreiben nicht ein einziges Wort. Nur so viel: Die Ende Juni fällig gewordenen Mietzahlungen seien "regulär geleistet oder von den Reedereien avisiert" worden. "Somit gehen wir gegenwärtig nicht davon aus, dass Zahlungen ausbleiben oder zurückgehalten werden. Es sind auch keine Kündigungen durch Reedereien erfolgt", erklärt das Unternehmen. Nach der ersten Gläubigerversammlung im kommenden Herbst könne voraussichtlich eine erste Auszahlung an Anleger erfolgen. Die Forderungen der Investoren würden über 90 Prozent der Gesamtforderungen der Gläubigergemeinschaft ausmachen.

Magellan erklärt, dass die "Geschäftsbeziehung mit den Linienreedern wieder auf geregelter Ebene stehen". In den kommenden Wochen sollen "Lösungsszenarien" erarbeitet werden, bei denen auch das von Magellan von Anfang an angestrebte Insolvenzplanverfahren eine Rolle spielen könnte. Die in Betracht kommenden Lösungsansätze sollen in der ersten Gläubigerversammlung, die etwa Ende September oder Anfang Oktober stattfinden werde, erläutert und zur Abstimmung gestellt werden. Weitere Informationen gab es dazu noch nicht. (ae)