Die Insolvenz des Containermanagers Magellan ist für selbsternannte "Anleger-Anwälte" ein willkommener Anlass, tief verunsicherte Investoren als Mandanten für mögliche Klagen gegen Vermittler und Berater hinter sich zu versammeln. Finanzprofis werden zurzeit mit irreführenden Behauptungen und fragwürdigen Argumenten förmlich bombardiert. Dabei decken die Schreiben vor allem eines auf: Fehlendes Know-how im Leasingbusiness aufseiten der Verfasser.

Im zweiten Teil unserer Mini-Serie (den ersten finden Sie hier) unterzieht FONDS professionell ONLINE die gemachten Angaben zum Geschäftsmodell von Magellan einem Faktencheck – mit bestechendem Ergebnis:

Was behauptet wird: "Obwohl die Anleger von der Insolvenz nicht direkt betroffen sind, müssen sie nun hohe Verluste befürchten. Denn sie sind nach wie vor die Besitzer der Container, die irgendwo auf den Weltmeeren unterwegs sind. Nur Mietzahlungen erhalten sie keine mehr, und eine eigene Vermarktung ist praktisch nicht möglich. Insofern sitzen die Anleger jetzt auf den für sie mehr oder weniger nutzlosen See-Containern. Mit anderen Worten: Das investierte Geld könnte verloren sein. Sollte das Hauptinsolvenzverfahren eröffnet werden, bleibt für die Anleger die Situation weiter schwierig. Denn im Grunde beschränken sich ihre Forderungen gegenüber der Magellan Maritime Services GmbH auf die nicht ausgezahlten Quartalsmieten."

Was richtig ist: Die Anleger sind nicht Besitzer, sondern Eigentümer der Container. Die Boxen sind, sofern sie vermietet sind, derzeit im Besitz verschiedener Reedereien, andernfalls stehen sie unvermietet in einem Depot. Wenn ein Anleger rechtmäßig Eigentümer eines Containers ist, dürfte das investierte Geld nicht verloren sein, es denn, der Container existiert nicht mehr oder ist mehr auffindbar. Die Forderungen der Anleger sind konzeptionell bis zum Ende der Vertragslaufzeit auf die Mietzahlungen beschränkt.


Was behauptet wird: "Insbesondere die nicht wirklich wirksame Verknüpfung der Geschäfte von GmbH und Anlegern und die als absolut nachrangig zu bewertende Position der Anleger im Insolvenzverfahren machen deutlich, dass es hier für die Investoren nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren gab."

Was richtig ist: Das Direktinvestment von Magellan sieht konzeptionell vor, dass die Investoren und die GmbH wirtschaftlich über einen Kauf- und Verwaltungsvertrag verflochten sind. Eine Beteiligung der Anleger an der GmbH entspricht nicht dem Wesen eines Direktinvestments. Deshalb sind die Investoren weder an den Gewinnen und am Vermögen noch an den Verlusten und Schulden der GmbH beteiligt. Das ist rechtlich nicht zu beanstanden und nicht nur bei Magellan, sondern auch bei anderen Direktinvestments so geregelt.


Was behauptet wird: "Den Anlegern stehen die Mieten direkt zu, es gibt keinen Fonds oder sonstige Poolverbindung. Das heißt: Die Mieten müssen gemäß § 47 InsO ausgesondert und direkt den Anlegern zur Verfügung gestellt werden. Es gibt keine denkbare Auslegung dafür, dass die Mieten dem Insolvenzverwalter zustehen."

Was richtig ist: In den Verwaltungsverträgen, die Investoren mit Magellan geschlossen haben, ist geregelt, dass die Container von Magellan vermietet werden. Sobald der Anleger Eigentümer des Containers ist, gehen auf ihn "sämtliche Rechte und Pflichten aus dem Miet- und Verwaltungsverhältnis" über. Deshalb sind zwei Fragen zu klären: Welche Container sind tatsächlich vermietet? Wie sehen die Mietverträge zu den jeweiligen Containern aus, und wie hoch ist die tatsächlich vereinbarte Leasingrate?

Unabhängig davon beinhalten die Verwaltungsverträge noch eine Garantie der Magellan Maritime Services GmbH: Die Gesellschaft garantiert dem Investor eine vertraglich vereinbarte Miete pro Tag und Container – und zwar unabhängig davon, ob der Container vermietet und wie hoch die Leasingrate ist, die eine Reederei für den betreffenden Container tatsächlich bezahlt. Da die Gesellschaft insolvent ist, wäre die Garantie bis auf weiteres obsolet. Die Leasingraten, die von den Reedereien bezahlt werden, und die Container dürften allerdings nicht zur Insolvenzmasse gehören.

Dennoch hat der vorläufige Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt alle Auszahlungen aus der insolventen Gesellschaft gestoppt. Das betrifft auch die Leasingraten, die von den Reedereien gezahlt und von Magellan vertragskonform eingezogen werden. Den absoluten Stopp der Mietauszahlung an die Anleger erklärt Borchardt damit, dass dies in einem vorläufigen Insolvenzverfahren vorgesehen sei. Zu gesetzlichen Aufgaben des vorläufigen Insolvenzverwalters gehört es, sämtliche Einnahmen und damit auch jene aus der Vermietung an Reedereien, sonstige Forderungen sowie weitere Vermögenswerte des Unternehmens im Sinne der Gläubiger zu sichern. Das bedeutet: Mietzahlungen an die Anleger dürfte es erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens geben.


Was behauptet wird: "Möglicherweise macht es auch Sinn, den Container zu verkaufen."

Was richtig ist: Ohne zu wissen, ob und an wen sein Container vermietet ist und wo sich der Container befindet, ist für den Investor ein Verkauf nicht sinnvoll. Außerdem kann kein Anleger seine Boxen zu einem marktgerechten Preis verkaufen, wenn er den Mietvertrag nicht kennt und keine markt- und fachkundige Beratung an seiner Seite hat. Der Profi sollte allerdings nicht aus der Juristerei, sondern aus dem Leasingbusiness kommen. (ae)


Lesen Sie morgen: Mit welchen gezielten Falschbehauptungen zur allgemeinen Branchenentwicklung im Containerbereich "Anlegerschützer" eventuelle Klagen vorbereiten wollen.


FONDS professionell hat in den Heftausgaben 3/2012, 3/2013 und 4/2015 ausführlich über den Container-Leasingmarkt und Container-Investments berichtet. Angemeldete KLUB-Mitglieder können die Artikel "Investmentchancen sind intakt", "Verlockendes Geschäft" und "Rangelei in der Boxengasse" online nochmals nachlesen.