Die Insolvenz der P&R Gruppe weckt bei Kennern ungute Erinnerungen an die Pleite des Containermanagers Magellan. Die Frage, wer Eigentümer der Container ist, beschäftigt damals wie heute die Juristen. Bei P&R ist der Fall komplexer, weil Magellan eine Leasinggesellschaft mit direkter Verbindung zu den Containern war und P&R "nur" eine verschachtelte Finanzierungsgruppe war. Außerdem lief das P&R-Geschäft nicht nur über Deutschland, sondern vor allem über Firmen in der Schweiz.

Neben rechtlichen Fragen spielen auch wirtschaftliche Aspekte bei derartigen Fällen eine große Rolle, mit denen sich Juristen häufig schwer tun. Die Geschehnisse rund um die Krise bei Magellan beweisen, dass die Anleger unnötig Geld verloren haben, weil der Containermarkt und das Leasinggeschäft offenbar falsch eingeschätzt wurden, wie sich nun zeigt: Mit Zustimmung des Gläubigerausschusses, in dem unter anderem der Anlegeranwalt Peter Mattil sitzt, wurden die Container zu früh und insbesondere deutlich unter ihrem Wert verkauft. FONDS professionell ONLINE nennt die Fakten.

Buss bekommt Portfolio zum Schnäppchenpreis
Im ersten Halbjahr 2017 befand sich der Containermarkt nach einer Delle im Jahr 2016 wieder im Aufschwung. Im ersten Quartal 2016 lag der Neupreis für einen 20-Fuß-Container nur bei etwa 1.350 Dollar. Aber im zweiten Quartal 2017, als der Verkauf des Magellan-Portfolios an Buss an die Anleger kommuniziert wurde, kostet die Box bereits 1.900 Dollar. Auch die Preise für gebrauchte Container haben in diesem Zeitraum spürbar angezogen, und Marktkenner erwarteten zurecht weitere Preissteigerungen. Allein im zweiten Halbjahr 2017 stieg der Wert der gebrauchten Boxen um weitere 25 Prozent.

Buss hat das Portfolio laut dem Bericht des Insolvenzverwalters im Sommer 2017 für 160 Millionen Euro bekommen. Marktgerecht kalkuliert war es allerdings mehr als 227 Millionen Euro wert, wie die folgende Tabelle aufschlüsselt:

Falsche Preisannahmen zuhauf
Auch die Einschätzung der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG, die der Insolvenzverwalter engagierte, war gravierend falsch. Auf der Gläubigerversammlung im Oktober 2016 behauptete der KPMG-Vertreter, dass ein 40-Fuß-Container nur 950 Dollar wert gewesen sei. Tatsächlich lag der Neupreis damals bei rund 2.300 Dollar. Vier bis fünf Jahre alte Container in diesem Volumen, die den weitasu größten Anteil im Magellan-Portfolio hatten, war etwa 1.600 Dollar wert.

Den Wert des gesamten Magellan-Portfolios schätzte KPMG damals nur auf 80 bis 90 Millionen Euro. Das war damals der Schrottpreis, aber nicht, wie die obige Tabelle zeigt, der reelle Marktwert für die im Durchschnitt vier bis fünf Jahre alten, fast vollständig vermieteten Container. Die Prüfungsgesellschaft Deloitte kam im Frühjahr 2017 nur zu einem geringfügig besseren Ergebnis, obwohl die Marktpreise bis dahin sowohl für neue als auch für gebrauchte Container erheblich gestiegen waren.

Alternativen zum Verkauf waren kein ernstes Thema
Eine Fortführung des Vermietungsgeschäfts und ein späterer Verkauf hätte den Anlegern viel mehr gebracht als der sofortige Verkauf, der noch dazu mit dem Verweis auf Verschwiegenheitspflichten relativ intransparent über die Bühne ging. Alternativen hat der Insolvenzverwalter allerdings offenbar nicht ernsthaft geprüft, stattdessen hieß es wie berichtet, dass die Fortführung für die Anleger wirtschaftlich riskant sei und erst spätere Auszahlungen erwirtschaften würde. Außerdem dauere das Insolvenzverfahren dann mindestens neun Jahre.

Das Exit-Ergebnis sieht aber auch nicht gut aus: Das Portfolio wurde mit einstimmiger Zustimmung des Gläubigerausschusses unter Wert verkauft. Und trotz der Veräußerung wird es noch ein langes Insolvenzverfahren geben, das laut Insolvenzverwalter mindestens bis 2022 dauern wird. Damit verbunden sind hohe Verfahrenskosten, die zulasten der Anleger die Insolvenzmasse schmälern. (ae)