Die Meldung über die mehrheitliche Übernahme der Fonds Finanz durch den britischen Investor HG Capital hat hohe Wellen geschlagen. Und gleich zwei im Wettbewerb stehende Marktteilnehmer haben darauf mit deutlich mahnenden Worten reagiert. So heißt es etwa bei der in Neubrandenburg ansässigen Apella: "Fonds Finanz und HG Capital sagen es heute schon in aller Deutlichkeit: Der Markt soll verdichtet werden." Merkmale oligopolistischer oder monopolistischer Märkte seien keine Innovation, sondern eine Verzerrung der Marktmacht. Die Vertragspartner, ganz gleich ob Produktgeber oder Makler, würden Gestaltungsmöglichkeiten einbüßen.

Deshalb wolle man den Berufsstand dafür sensibilisieren, mit seiner Arbeitsgrundlage verantwortungsvoll umzugehen. "Meiner Ansicht nach ist ein monopolistischer Markt nicht mit dem Beruf eines freien Maklers zu vereinbaren", erklärt dazu Apella-Gründer Guntram Schloß und betont: "Die Apella AG bleibt dauerhaft ein eigenständiges Unternehmen, das freien Finanzdienstleistern eine co-engagierte Gemeinschaft bietet, die sie persönlich stark macht."

Je vielfältiger die Strukturen, desto fairer das Endprodukt
Im Interesse der Makler und Kunden stehe ein breiter Markt, denn je vielfältiger die Strukturen seien, desto fairer sei das Endprodukt und die Arbeitsbedingungen für freie Makler. Deshalb bleibe Apella eine inhabergeführte Gesellschaft. "Durch vinkulierte Namensaktien können sich Makler direkt am Erfolg und der Entwicklung von Apella beteiligen", so Schloß. "Ein Schritt, wie ihn Fonds Finanz geht, wäre bei Apella durch die Aktionäre zustimmungspflichtig." Aktionäre seien mehrheitlich Makler und Mitarbeiter der Apella.

Kaum weniger deutlich reagieren die Chefs des Lübecker Maklerpools Blau Direkt. "Noch haben wir es gemeinsam mit unseren Partnern in der Hand, ob wir den Markt Investoren überlassen oder ihn gemeinsam selbst gestalten", erklärt Geschäftsführer Lars Drückhammer (Foto) mit klarem Verweis auf die Entwicklung um die Fonds Finanz. "Schaffen wir den Superpool durch Zusammenarbeit mit unseren Maklern, wird der Markt auch weiterhin von Partnerschaft bestimmt sein. Ein von Investoren zusammengekaufter Superpool wird als Spielball der Börse gierig seine Margen hochtreiben. Wer das bezahlt, sollte jedem klar sein."

Aufbau eines Superpools geplant
Drückhammer untermauert gleichzeitig die hauseigenen Ambitionen zum Aufbau eines Superpools und verweist auf ein Wachstum von 50 Prozent innerhalb eines Jahres bei Blau Direkt, ein "Kunststück", das ohne Zukauf und ohne Investoren gelungen sei. Die Auswertung der aktuellen Umsätze bis Mitte Dezember zeige einen neuen Umsatzrekord für Blau Direkt. Satte 123 Millionen Euro an Provisionseinnahmen habe der Maklerpool in diesem Jahr erzielt.

Den Erfolg führt Drückhammer auf die aus seiner Sicht bestehende Vorherrschaft seiner Gesellschaft in der Maklertechnologie zurück. Durch diese technische Überlegenheit würden sich immer mehr Makler entscheiden, ihre Bestände in die Verwaltung von Blau Direkt zu geben. So sei die Zahl der Bestandsübertragungen zuletzt um 104 Prozent auf mehr als 345.000 Verträge gestiegen. Drückhammer ist sich sicher: "Wenn wir diese Wachstumsgeschwindigkeit halten, werden wir nächstes Jahr nicht nur die Fonds Finanz als Marktführer ablösen, sondern entwickeln uns spätestens bis Ende 2023 aus eigener Kraft zu einem marktgestaltenden Superpool." (hh)