Maklerversicherer gibt Bafin-Lizenz zurück
Neodigital ist kein Sach-Versicherer mehr. Die Gesellschaft aus St. Ingbert im Saarland, die ihre Policen über Makler vertrieb, hat ihren Bestand an die Württembergische Versicherung verkauft und wird künftig nur noch als Technikdienstleister arbeiten.
Der Digitalversicherer Neodigital und Adam Riese, die Digitalmarke der Württembergischen Versicherung, haben eine "strategische Partnerschaft" vereinbart. Das teilen beide Seiten mit. In deren Rahmen übernimmt Adam Riese rückwirkend zum 1. Januar den Versicherungsbestand von rund 400.000 Sach- und Unfallpolicen von Neodigital, das sich im Vertrieb auf Makler und Poolverbünde stützt. Neuer Risikoträger der Verträge wird die hinter Adam Riese stehende Württembergische Versicherung. Zugleich aber erfolgt die Verwaltung der Versicherungen auf der IT-Plattform von Neodigital, an der Carsten Maschmeyer als Investor beteiligt ist.
Neodigital, das seine Bafin-Lizenz zurückgibt, werde nach dem Abschluss dieser Transaktion den Fokus künftig vollständig auf die Vermarktung seiner IT-Plattform an Versicherer und Assekuradeure legen – sogenannte "Insurance-as-a-Service-Lösungen" (IaaS). Ziel sei es, die Plattform noch weiter auszubauen und die Ressourcen effizient für deren technologische Weiterentwicklung zu verwenden. "Neodigital setzt dieses Modell bereits erfolgreich für Partner wie die Neodigital Autoversicherung, die Alte Oldenburger Krankenversicherung, die VGH Provinzial Krankenversicherung Hannover und die Süddeutsche Krankenversicherung um", heißt es in der Mitteilung.
Medien berichteten vorab über Verkauf
Der bevorstehende Verkauf des Versicherungsbestandes der Neodigital war bereits vor einigen Tagen bekannt geworden. Der Branchendienst "Sachthemen Blog" hatte unter Berufung auf ein laufendes Verfahren beim Bundeskartellamt berichtet, dass die Württembergische Versicherung an einem Bestand der Neodigital interessiert sei. Beide Seiten bestätigten das auch – nun gab es die Meldung über den konkreten Vollzug des Geschäfts. Dieses steht noch unter dem Vorbehalt der erforderlichen behördlichen und regulatorischen Zustimmungen, soll aber noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Zum Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.
"Wir haben mit Adam Riese einen Partner mit unbestrittenem Know-how und einer hervorragenden Positionierung gefunden, der unser Verständnis von Agilität, Innovation und unseren Wachstumsambitionen teilt. Mit der Kombination der Markt- und Vertriebsstärke der Adam Riese und unserer hochautomatisierten Insurance-as-a-Service-Plattform können wir Innovationen gezielt vorantreiben und schneller in marktfähige Lösungen überführen", kommentiert Stephen Voss, CEO von Neodigital. "Dieser Schritt zeigt zudem erneut, wie effizient, anerkannt und skalierbar unser bewährtes Insurance-as-a-Service-Modell ist und am Markt wahrgenommen wird. Darauf werden wir weiter aufbauen", so Voss weiter.
Nur noch einer übrig
Neodigital gehört mit Coya, Element, Ottonova oder Emil zur Reihe der sogenannten Digitalversicherer, die mit vollständig neuer, leistungsfähiger IT für die internen Prozesse effizient arbeiten und innovative neue Tarife anbieten wollten. Mit dem Verkauf des Bestands an Adam Riese verfügt mittlerweile aber nur noch Ottonova über eine eigene Bafin-Lizenz. Die genauen Gründe dafür sind unterschiedlich, letztlich aber ist die Lizenz sehr kostspielig und bindet Kapital, sodass es für die Unternehmen einfacher ohne sie ist. Ein Beispiel ist Getsafe: Das Heidelberger Insurtech gab 2025 seine Lizenz zurück und agiert seitdem als Assekuradeur.
Neodigital wurde 2017 gegründet, Aufsehen erregte das im saarländischen St. Ingbert ansässige Unternehmen Anfang 2020, als Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer als Investor einstieg. 2023 gründete der Versicherer mit dem Branchenriesen Huk-Coburg das Joint Venture "Neodigital Autoversicherung", das auf der IT von Neodigital läuft. 2025 übernahm die Huk-Coburg diesen digitalen KFZ-Versicherer. (jb)














