Verbraucher mit Riester-Rentenversicherungen, die zulagenbedingt ihre Beiträge senken oder wieder erhöhen, zahlen unter Umständen doppelt drauf: Laut einer Umfrage des für Versicherungsthemen zuständigen Marktwächter-Teams der Verbraucherzentrale Hamburg geben 15 von 34 Versicherern an, bei zulagenbedingten Beitragsänderungen erneut Abschluss- und Vertriebskosten zu erheben – entweder auf Zulagen und/oder auf Beitragswiedererhöhungen.

Die Verbraucherschützer haben nach eigenen Angaben allen 85 unter Bafin-Aufsicht stehenden Lebensversicherern sechs Fragen zu den diesem Kostenkomplex gestellt. 46 Gesellschaften haben überhaupt geantwortet, von denen wiederum 34 detaillierte Angaben machten. Zehn haben keine Riester-Produkte im Sortiment, zwei teilten mit, nicht an der Umfrage teilnehmen zu wollen.

Über 360 Euro Mehrkosten pro Kind
Betroffen von den doppelten Kosten sind laut einer Pressemitteilung insbesondere Personen, die für bereits laufende Verträge Kinderzulagen erhalten und entsprechend ihren Eigenbeitrag senken. Wenn sie nach dem Wegfall der Kinderzulagen den Eigenbeitrag wieder erhöhen, werden sie oft ein weiteres Mail zur Kasse gebeten. Die Gesamtbeitragssumme bleibt dabei gleich. Die Versicherer verlangen zuerst für die Zulagen nochmals Abschluss- und Vertriebskosten, später für die Beitragswiedererhöhungen, obwohl das alles bereits zu Beginn abgegolten worden war. Ähnliche Doppelbelastungen ergeben sich auch für Riester-Sparer mit schwankenden Einkünften und sich entsprechend ändernden Riester-Eigenbeiträgen sowie für alle Riester-Sparer, sofern sie nach der jüngst erhöhten Grundzulage ihren Eigenbeitrag entsprechend abgesenkt haben.

Ausgangspunkt der Marktwächterumfrage war laut Mitteilung der Fall eines Verbrauchers mit einem Riester-Rentenversicherungsvertrag bei der Württembergischen Versicherung. Hier hätten sich die Mehrkosten für die Kinderzulage und anschließender Wiedererhöhung des Eigenbeitrages auf mehr als 360 Euro belaufen.

Grund: Paragraf 165 VVG
Der Grund für diese Praxis ist nach Angaben der Verbraucherschützer, dass diese 15 Versicherer eine Senkung des Eigenbeitrags als Teilbeitragsfreistellungen nach Paragraf 165 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) interpretieren. Jede später getätigte Wiedererhöhung des Beitrags wird dann wie ein Neuabschluss des Vertrags behandelt und führe zu neuen Kosten..

"Riester-Verträge sollen vor allem für Sparer mit Kindern lukrativ sein. Diese Gruppe wird vom Gesetzgeber daher zu Recht besonders gefördert", kritisiert Sandra Klug, Teamleiterin Versicherungen beim Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hamburg. "Die doppelte Berechnung von Abschluss- und Vertriebskosten belastet aber vor allem Riester-Sparer mit Kindern." (jb)