"Massenhafter" Jobabbau? KI dominiert Tarifgespräche der Versicherer
Die Versicherungsbranche steht vor Tarifverhandlungen mit Fokus auf KI und Jobsicherheit. Verdi fordert Schutz für Beschäftigte und Qualifizierung, während erste Beispiele wie bei Ergo zeigen, wie ein Kompromiss aussehen könnte.
Die Versicherer in Deutschland und Verdi verhandeln ab diesem Donnerstag (26.3.) über einen Tarifvertrag, in dem es speziell auch um den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und dessen Auswirkungen auf Arbeitsplätze gehen soll. Wie eine mögliche Lösung aussehen könnte, hat erst vor Kurzem eine Vereinbarung bei der Munich-Re-Tochter Ergo gezeigt.
Verdi geht es bei den Verhandlungen vor allem um eine Beschäftigungssicherung und die Qualifizierung für sich verändernde Jobs. "Wenn durch KI Arbeitsplätze in bestimmten Bereichen entfallen, ist es wichtig, dass niemand gegen seinen Willen das Unternehmen verlassen muss", sagte Deniz Kuyubasi, Verhandlungsführerin bei Verdi, gegenüber "Bloomberg". Auch sollen möglichst alle Standorte gesichert werden.
KI treibt Wandel in der Branche voran
Versicherer und Banken setzen zunehmend auf KI, um Dienste zu beschleunigen und zu verbessern – und um Kosten zu senken. Dabei entfallen bestimmte Jobs. Ende vergangenen Jahres hatte etwa die niederländische Bank ING Groep erklärt, dass wegen "Digitalisierung, KI und sich verändernder Kundenbedürfnisse" rund 1.000 Stellen gefährdet seien. Zudem machten Spekulationen um einen KI-getriebenen Personalabbau bei einer Tochter der Allianz die Runde.
Ergo als mögliches Vorbild
Auch Ergo hatte im Februar angekündigt, in Deutschland rund 1.000 Stellen streichen zu wollen, unter anderem wegen KI. Allerdings sieht eine Vereinbarung mit Verdi vor, dass bis Ende 2030 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind und große Verwaltungsstandorte erhalten werden.
Jetzt sollen andere Versicherer folgen. "Die Arbeitgeber haben Verhandlungen zugestimmt. Das ist ein gutes Signal, weil es zeigt, dass sie das Thema ernst nehmen", erklärte Kuyubasi. "Ob es am Ende auch einen Transformations-Tarifvertrag geben wird, ist aber offen."
Arbeitgeber: "Keine Hinweise auf außergewöhnliche Entwicklung"
Der Arbeitgeberverband der Versicherungsunternehmen in Deutschland erklärte in einer Stellungnahme gegenüber "Bloomberg", dass es "keine Hinweise" auf eine "außergewöhnliche Entwicklung" hinsichtlich der Auswirkungen der KI-Nutzung auf die Beschäftigung in der Branche gebe. Wichtig sei, dass die Mitarbeiter die technische Entwicklung positiv begleiten, damit die Branche zukunftsfest werden könne.
Chancen und Sorgen bei Beschäftigten
Verdi verteufele den Einsatz von KI nicht und wolle die Entwicklung auch nicht ausbremsen, so Kuyubasi. "Zugleich warnen wir aber vor Risiken, wenn es um den Umgang mit Beschäftigen geht", sagte sie. "Es muss eine gute Lösung für beide Seiten gefunden werden."
Sorgen um ihren Job wegen KI machen sich laut Kuyubasi etwa die Mitarbeiter in der Telefonie. Bei Beschäftigten in der Sachbearbeitung sehe es etwas anders aus. Hier werde KI teils auch als Chance gesehen, weil die Schadensabwicklung schneller gehe. Damit könnten Beschäftigte im Arbeitsalltag sogar entlastet werden. "Andererseits fürchten auch hier viele, dass ihre Jobs perspektivisch gefährdet sind", sagte Kuyubasi.
Verdi warnt vor Überwachung
Neben Job-Verlusten warnt Verdi zudem davor, dass es mit KI zu mehr Leistungs- und Verhaltenskontrollen kommen könnte. Eine Überwachung darf es aus Sicht der Gewerkschaft nicht geben. Das will sie in den Verhandlungen mit den Arbeitgebern auch thematisieren.
"Was KI am Ende für Auswirkungen auf die Jobs haben wird, ist schwer vorherzusagen. Das Ganze ist noch nicht richtig greifbar – es ist auch möglich, dass die KI neue Berufsprofile schafft, wofür es weiter Fachkräfte braucht", sagte Kuyubasi. "Daher halte ich es für verfrüht, jetzt schon massenhaft Jobs abzubauen." Grundsätzlich rät die Verdi-Verhandlungsführerin: "Wenn Mitarbeiter faire Qualifizierungsangebote erhalten, sollten sie sie auch annehmen". (mb/Bloomberg)















