Der Start des neuen Direktversicherers des Allianz Konzerns zum Jahresbeginn verlief bislang offenbar holprig. Die Integration von rund 750.000 Kunden der Allsecur, dem Vorgänger der neuen Allianz Direct, hat nicht gerade reibungslos funktioniert. Bei dem Transfer der Daten, der zum Teil wohl händisch vorgenommen wurde, gab es offenbare viele Probleme, wie das "Handelsblatt" berichtet. 

Die Schwierigkeiten sind in dem Falle besonders ärgerlich, da die Allianz Direct eines der zentralen Prestigeprojekte von Konzernchef Oliver Bäte ist. Der Versicherer hat sich mit der neuen Direkttochter besonders viel vorgenommen hat: Nämlich endlich auch im Onlinegeschäft durchzustarten – und das europaweit.

"Mit der Allianz Direct wollen wir etwas erreichen, was wir noch nie erreicht haben und etwas ganz Neues schaffen", kündigte Finanzvorstand Giulio Terzariol noch im August vollmundig an. In der Werbung, die ab Herbst großflächig überall im Land plakatiert wurde, war sogar von einer "Mission" und einem "Wow-Effekt beim Kunden" die Rede.

Viele Beschwerden 
Der Wirtschaftszeitung zufolge haben aber auf dem Bewertungsportal Trustpilot 97 Prozent der Allianz-Direct-Nutzer dem Versicherer die Note "ungenügend" gegeben. Zwei Prozent haben die Gesellschaft mit mangelhaft bewertet. Die Klagen umfassen erhebliche Wartezeiten in der Hotline, mangelnde Erreichbarkeit auf den digitalen Kanälen sowie schlechtere Konditionen und höhere Kosten im Vergleich zur Vorgängerorganisation Allsecur.

Nur Einzelfälle
Die Allianz betont dagegen gegenüber der Wirtschaftszeitung, dass es nur in Einzelfällen Probleme gegeben habe. "Im Zuge der Migration unserer Bestandskunden gab es einzelne Herausforderungen, die wir aber im Rahmen einer derartigen Umstellung als üblich einstufen", zitiert die Zeitung aus einem schriftlichen Statement des Versicherers.

Deutschlands Branchenprimus kämpft immer wieder mit Probleme seiner IT. So war Anfang Oktober 2019 bei der Tochter Allianz Deutschland über Stunden hinweg die IT-Infrastruktur lahmgelegt. Monate davor klagten Kunden der privaten Krankenversicherung über mangelnde Erreichbarkeit durch den Ausfall der Systeme.  

Zu hohes Tempo?
Im Falle der Allianz Direct soll übertriebene Eile bei der Umsetzung für die Probleme  verantwortlich sein, schreibt die Wirtschaftszeitung unter Berufung auf Insinder. Von einer zu schnellen Umsetzung wolle die Allianz aber nichts wissen. "Die Vorbereitungszeit war ausreichend", heißt es auf Anfrage des Handelsblatts. Alle Prozesse und Produkte seien vor der Einführung entsprechend getestet worden. (jb)