Der Landwirtschaftliche Versicherungsverein Münster (LVM) plant offenbar, seine Tochter Augsburger Aktienbank (AAB) zu verkaufen. Der Versicherer soll mit mindestens zwei Gesellschaften zwecks Übernahme verhandeln, wie die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) berichtet. Der LVM wollte dazu auf Anfrage von FONDS professionell ONLINE nicht Stellung nehmen. 

Der SZ zufolge gestalten sich die Verhandlungen schwierig. Der Versicherer habe Probleme, einen Käufer zu finden, der die ABB zum gewünschten Preis abnimmt. Grund ist, dass die im namensgebenden Augsburg ansässige älteste Direktbank Deutschlands vorwiegend als Fondsplattform für Vermögensverwalter und Finanzanlagenvermittler tätig ist. Sie verwahrt nach Angaben der SZ Portfolios und Wertpapiere mit einem Volumen von 13 Milliarden Euro. Die Zahl der geführten Depots stand im Herbst 2019 bei rund 173.000. 

Verschiedene Besitzer
Das Plattformgeschäft zählt zu den Nischen auf dem deutschen Finanzdienstleistungsmarkt. Der Käufer müsste demnach auch diesem Geschäftsfeld präsent sein, um einen Nutzen aus der Übernahme zu ziehen, gibt die SZ die Meinung aus Branchenkreisen wieder. Hinzu komme, dass im Geschäftsbericht 2018 ein Verlust von 3,6 Millionen Euro ausgewiesen wurde, 2017 betrug das Minus laut SZ 2,9 Millionen Euro. Auf der anderen Seite kann die AAB mit dem Pfund wuchern, dass sie 320.000 Kundenbeziehungen und Verträge mit den Vermittlern hat.

Die AAB wurde 1963 gegründet und hatte schon mehrere Besitzer, so die SZ. Bis 1988 gehörte sie der Industriellenfamilie Harald Quandt. Dann stieg der Rückversicherer Swiss Re mit 50 Prozent ein. Dessen Anteile "erbte" 1995 die Allianz, als sie die Swiss-Re-Tochter Vereinte Versicherung übernahm. 1997 kaufte der deutsche Versicherungsprimus der Quandt-Holding auch die übrigen 50 Prozent ab. Als die Allianz 2001 die Dresdner Bank übernahm, passte die AAB nicht mehr ins Firmenportfolio. Sie ging daher 2002 an die LVM über. Der Versicherer wollte so in der Lage sein, seinen Vermittlern auch Investmentfonds anzubieten.

Historie als Haftungsdach für LVM-Vertreter
Die AAB diente bis Ende 2017 auch als Haftungsdach für die LVM-Vertreter. Mit dem Start der EU-Finanzmarktrichtlinie Mifid II organisierte der Versicherer das Investmentgeschäft seiner Vermittler aber neu, die AAB als Haftungsdach war nicht mehr nötig (FONDS professionell ONLINE berichtete). (jb)