Der krisengeplagte Schweizer Fondsanbieter GAM erwägt offenbar einen massiven Stellenabbau. Demnach kündigte der neue GAM-Chef Peter Sanderson bei einer Mitarbeiterversammlung an, dass heftige Einschnitte unvermeidlich seien. Dies berichtet die britische Zeitung "Financial Times" und beruft sich auf Teilnehmer der Versammlung.

Die Gesellschaft rang bereits vor geraumer Zeit mit Problemen. Anleger zogen Mittel ab, die Gewinne brachen ein, Anteilseigner rebellierten. Nach einer kurzen Erholungsphase stürzte die Affäre um den einstigen Starmanager Tim Haywood das Haus erneut in die Krise. Der prominente Fondslenker hatte massiv in illiquide Anleihen investiert und dabei die internen Richtlinien verletzt. Daraufhin zogen Anleger Milliarden aus den Fonds ab, die Vehikel wurden schrittweise aufgelöst. Diese Krise konnten die Schweizer bislang nicht nachhaltig überwinden. 

Bis zu 40 Prozent der Stellen betroffen
Der vom ehemaligen Blackrock-Manager Sanderson nun angedeutete Abbau bei GAM könne bis zu 350 Stellen umfassen, erfuhr der Finanznachrichtendienst "Bloomberg" aus Unternehmenskreisen. Dies entspräche 40 Prozent der Jobs bei dem Schweizer Asset Manager. Das Haus gab im letzten Halbjahresbericht die Mitarbeiterzahl mit 860 an.

Vor einem Jahr hatte die Führung einen Abbau des Investmentteams um zehn Prozent angekündigt. Die nun anstehenden Stellenstreichungen könnten aber viel weitreichender ausfallen und vor allem das Back-Office treffen. Eine Entscheidung über die letztendliche Höhe des Abbaus sei aber noch nicht getroffen, heißt es weiter. GAM wollte die Berichte nicht kommentieren.

Prominente Abgänge
Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass Investmentchef Matthew Beesley das Unternehmen verlässt. Auch Chefökonom Larry Hatheway will bis zum Jahresende seinen Posten abgeben. Der neue Vorstandschef Sanderson wiederum trat erst im September sein Amt an. Er hatte Verwaltungsratsmitglied David Jacob abgelöst. Dieser hatte als Interimschef das Haus gelenkt, nachdem Firmenchef Alexander Friedman wegen der Haywood-Affäre seinen Posten hatte räumen müssen.

Der Kurs der GAM-Aktie ist in den Keller gestürzt. Vom Gipfel im Jahr 2015 bei mehr als 21 Schweizer Franken fiel der Kurs auf rund 2,70 Franken. Der Einstieg von Starinvestor George Soros im Mai 2019 bescherte dem Papier nur eine kurze Erholung. Zeitweilig kursierten auch Gerüchte über eine Übernahme von GAM durch ein anderen Asset Manager. (ert)