Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der Sparkassen-Fondsanbieter Deka loten seit Wochen eine engere Kooperation aus. Das hatten die regionalen Sparkassenverbände im vergangenen Oktober beschlossen. Allerdings scheint die Wahrscheinlichkeit sehr hoch zu sein, dass die Gespräche scheitern. Das berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Personen, die mit dem Projekt vertraut sind. Offenbar sind einige Eigentümer der Deka skeptisch und möchten nicht das funktionierende Geschäftsmodell der Gesellschaft aufgeben. Zudem wäre eine Fusion extrem komplex, so die Zeitung weiter.

Bereits seit längerem wird überlegt, eine "Super-Landesbank" als Zentralinstitut für den Sparkassensektor zu schmieden. Hintergrund: Seit der Finanzkrise ringen mehrere Landesbanken mit Problemen. Zudem gilt die Aufstellung des Sparkassensektors mit mehreren Landesbanken – neben der Helaba beispielsweise die LBBW, die BayernLB sowie die NordLB –, die den regionalen Instituten zum Teil die gleichen Dienstleistungen wie die Deka anbietet, als ineffizient. 

Sehr komplexes Vorhaben
Dass ein Zusammenschluss von Deka und Helaba betriebswirtschaftlich von Vorteil wäre, wird nicht bestritten. Dem Handelsblatt zufolge gäbe es vor allem in drei Bereichen Synergien: im Kreditgeschäft, im Asset-Management und bei den Stabsfunktionen. Auf der anderen Seite müsse jedoch eine Reihe von Problemen gelöst werden. "Eine Fusion wäre extrem komplex", zitiert die Zeitung eine mit dem Thema vertraute Person. Zahlreiche rechtliche und steuerliche Themen müssten geklärt werden. "Das ist alles lösbar, aber sehr viel Arbeit."

Ein sehr wichtiger steuerlicher Aspekt sei, dass bei beiden Häusern bei einer Verschmelzung möglicherweise Grunderwerbsteuern in nennenswerter Höhe anfielen. Sowohl die Deka als auch die Helaba sind sehr aktiv im Immobiliengeschäft. "Das ist ein ganz großer Brocken", so ein Insider gegenüber dem Handelsblatt.

Drei Lager bei den Deka-Eigentümern
Komplex wäre eine Fusion auch wegen der unterschiedlichen Rechtsformen beider Gesellschaften. Die Deka ist eine bundesunmittelbare Anstalt des öffentlichen Rechts und 
wird unter anderem vom Bundesfinanzministerium beaufsichtigt. Die Helaba ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts nach Landesrecht – basierend auf einem Staatsvertrag zwischen Hessen und Thüringen. Das führe dazu, dass beide Bundesländer bei wesentlichen Änderungen zustimmen müssen.

Dass eine Fusion von Helaba und Deka nicht einfach wird, zeigte sich bereits im Dezember. Der Deka-Verwaltungsrat beschloss der Wirtschaftszeitung zufolge damals, eine engere Zusammenarbeit mit der Helaba zu prüfen – nicht aber eine Fusion. Zudem sei diese Entscheidung noch nicht einmal einstimmig gefallen.

Neuer Manager bei der Helaba
Bei der Landesbank kommt es zudem zu weiteren Umbauten im Management. Christian Popp, Mitglied der Geschäftsführung der Helaba Invest, werde “aus Gründen der persönlichen Lebensplanung” zum 31. Dezember 2020 ausscheiden und seine Aufgaben an Jürgen Wiedmann abgeben. Das teilte die Bank laut Bloomberg am Donnerstag mit. Wiedmann leitet bei der Helaba seit 2012 den Bereich Handelsabwicklung und Depotservice sowie seit 2018 den Bereich Informationstechnologie. (jb)