Union Investment erwägt im Zuge der Aufarbeitung des Wirecard-Skandals juristische Schritte gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY). "Wir prüfen mit Blick auf unsere treuhänderischen Pflichten gegenüber unseren Anlegern auch Ansprüche gegenüber EY", sagte Janne Werning, Leiter ESG Capital Markets & Stewardship im Portfoliomanagement von Union Investment, der Börsen-Zeitung (BöZ). 

Der Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München musste im Juni nach massiven Bilanzproblemen Insolvenz anmelden. Insgesamt entpuppten sich rund 1,9 Milliarden Euro in den Büchern als Luftbuchungen. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt daher wegen des Betrugsverdacts. Führende Wirecard-Manager wurden bereits verhaftet, darunter auch Ex-Vorstandschef Markus Braun. EY war lange Jahre der Buchprüfer von Wirecard und hatte die Abschlüsse des Unternehmens trotz einiger Ungereimtheiten stets testiert. Auf dieses Urteil hatte sich auch Union Investment verlassen und in Wirecard-Aktien investiert (FONDS professionell ONLINE berichtete).

Wurden interne Warnungen ignoriert?
Die BöZ berichtet unter Verweis auf einen Artikel der "Financial Times" (FT) weiter, dass bereits 2016 ein Mitarbeiter von EY intern vor Merkwürdigkeiten bei Wirecard gewarnt haben soll. Konkret sei es dem Artikel zufolge dabei um einen Unternehmenszukauf von Wirecard in Indien gegangen. Der hohe Kaufpreis für einen relativ kleinen Wettbewerber habe für Aufsehen gesorgt. Über dubiose Kanäle flossen in diesem Zusammenhang Millionen an Euro, hinter denen der seit Monaten mit internationalem Haftbefehl gesuchte ehemalige Wirecard-Vorstand Jan Marsalek stecken soll, so die BöZ.

Die unter Erklärungsdruck stehenden Wirtschaftsprüfer von EY wehren sich der Wirtschaftszeitung zufolge gegen die Behauptungen im FT-Bericht, die Hinweise eines Mitarbeiters in Bezug auf die Vorkommnisse in Indien seien damals nicht von den Abschlussprüfern ausreichend berücksichtigt worden. In einer Stellungnahme erklärte EY, dass der betroffene Mitarbeiter sich an alle Regeln gehalten habe.

"Prüfungshandlungen professionell durchgeführt"
"Die Vorwürfe wurden sowohl vom Unternehmen als auch von den Prüfungs- und Forensik-Teams von EY Deutschland untersucht. Die Feststellungen wurden mehrfach von EY Deutschland an den Vorstand und den Aufsichtsrat von Wirecard berichtet und angemessen dokumentiert", zitiert die BöZ die Wirtschaftsprüfer. "Auf der Grundlage der uns zur Verfügung stehenden Informationen sind wir der Ansicht, dass die Mitarbeiter von EY ihre Prüfungshandlungen professionell (...) durchgeführt haben. Aufgrund unserer umfassenden Verschwiegenheitspflicht können wir den Sachverhalt nicht weiter kommentieren", so EY weiter gegenüber der Zeitung. (jb)